Interview zur Stiftung

Die Zeitschrift "Morgenstern-Journal" stellt regelmäßig Stiftungen
in Deutschland vor, im Heft 1, 2011 die gemeinnützige
Stiftung Rosenkreuz - Vereinigung von Glauben und Wissen

Das Interview mit Dr. Gunter Friedrich, Stiftung Rosenkreuz,
führte Andreas Bromba.

Herr Dr. Friedrich, die Stiftung Rosenkreuz wurde 2007 gegründet. Was hat zur Gründung einer solchen Stiftung geführt und warum glauben Sie und Ihre Mitstreiter, im 3. Jahrtausend eine christlich-spirituelle Strömung wiederbeleben zu müssen, die doch eher historisch ist und vor vielen Jahrhunderten in der Versenkung verschwunden ist?

Es taucht etwas aus der Versenkung auf, was für unsere Zukunft von Bedeutung ist: Der Gedanke einer Versöhnung von Glauben und Wissen, der Gedanke einer Kooperation von Wissenschaft, Kunst und Religion. Diese drei haben sich vor einigen Jahrhunderten getrennt. Dadurch wurde der Siegeszug der Naturwissenschaften möglich. Doch es zeigt sich heute, dass wir unsere Lebensgrundlagen auf der Erde gefährden. Wir können die Zukunft nur bewältigen, wenn immer mehr Menschen Glauben und Wissen in sich positiv integrieren können. Sie gelangen dann zu einer neuen, einer umfassenderen Sichtweise und zu einem Lebensverhalten, das das Ganze im Blick hat und nicht nur die eigenen Belange oder die bestimmter Gruppierungen.
Hierzu will die Stiftung Rosenkreuz einen Beitrag leisten.

Ihre Stiftung will ein "Forum der Begegnung" sein.
Wer soll denn wem begegnen?

Die Veranstaltungen der Stiftung bieten ein Forum, auf dem sich Repräsentanten erschiedener Richtungen begegnen, die bislang getrennte Wege gegangen sind. Wir führen Begegnungen herbei in den Bereichen von Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft und Spiritualität, von Kunst und Spiritualität und schließlich zwischen verschiedenen spirituellen Bewegungen.

Wie finanziert sich eigentlich eine Stiftung,
die eher religiös-philosophisch ausgerichtet Ist?

Die Stiftung finanziert sich überwiegend aus Spenden.
Sie Ist als gemeinnützig anerkannt. Sie möchten "hermetisches und gnostisches Gedankengut" fördern.

Was können wir uns darunter vorstellen?

Das hermetische und gnostische Gedankengut stellt eine Synthese von Glauben und Wissen dar. Es war zu Beginn unserer Zeitrechnung im ganzen Mittelmeerraum verbreitet.
Der Begriff "hermetisch" leitet sich von Hermes Trismegistos her.
Er ist eine legendäre Gestalt, die in der altägyptischen Weisheitsströmung Wissenschaft, Kunst und Religion in sich vereinte. Die hermetischen Schriften gaben der abendländischen Entwicklung wichtige Impulse. Sie beflügelten zum Beispiel vor ca. 600 Jahren diejenigen, die die Renaissance einleiteten und das Denken von religiöser Bevormundung befreiten.
Der Begriff "gnostisch" stammt von Gnosis her, was "Kenntnis" bedeutet. Es ist ein inneres Wissen über die Hintergründe unseres Daseins. Jeder trägt es in sich, auch wenn es nicht unmittelbar abrufbar ist. In Zeiten der Not kann es wieder hervorbrechen, so dass die Menschen spüren, wozu sie eigentlich hier sind und was ihre Aufgabe ist.

Und was hat das mit "Rosenkreuz" zu tun?

Wenn man auf die klassischen Manifeste der Rosenkreuzer aus den Jahren 1614, 1615 und 1616 zurückgreift, so ist dort von der Notwendigkeit einer allgemeinen Reformation die Rede, die sich auf Religion, Wissenschaft und Kunst bezieht.
In einer dieser Schriften heißt es: "Hermes ist der Urbronn".

Sie möchten also den Menschen in unserer Zeit der Umbrüche eine Orientierungshilfe geben. Dazu bieten Sie bundesweit Vortrage, Ausstellungen und Symposien an.
Von Quantenphilosophie über die "Heilkraft der Seele" bis zu Mozarts Zauberflöte reicht das Spektrum. Wie werden Ihre Veranstaltungen in der Öffentlichkeit angenommen?

Wir sind selbst überrascht vom Erfolg unserer Veranstaltungen. Sie werden sehr gut angenommen. Anfang des Jahres mussten wir in Hamburg eine Veranstaltung mit Film und Podiumsgespräch wegen des großen Andranges wiederholen.

Sie schaffen es immer wieder, hochkarätige Redner zu gewinnen, z.B. Prof. Dr. Dürr, ehemaliger Mitarbeiter von Werner Heisenberg und Träger des Alternativen Nobelpreises, oder auch den Filmemacher Rüdiger Sünner.
Wie kommen Sie an solche Persönlichkeiten?

Durch das Betätigungsfeld unserer Stiftung entstehen viele Kontakte. Die Referenten, die bei uns waren, empfehlen uns weiter und erklären meist ihre Bereitschaft, an weiteren Veranstaltungen mitzuwirken.

Es fällt auf. dass die Stiftung Rosenkreuz auch sehr komplizierte wissenschaftliche Materie in den Mittelpunkt ihrer Vorträge stellt, wie z.B. Quantenphysik und Gehirnforschung.
Wo sehen Sie hier eine Verbindung zu Ihrem Anspruch, "christlich-gnostisches Gedankengut" zu fördern?

Wenn wir die Grenzbereiche erkunden, in denen Wissenschaft, Kunst und Religion einander berühren, lässt es sich nicht vermeiden, auch auf kompliziertere Fragestellungen einzugehen, zum Beispiel aus den Bereichen der Quantenphysik.
Wir laden zu diesen Veranstaltungen Referenten ein, die die Fähigkeit haben, diese Gedankengänge verständlich darzustellen.
Das gnostische Christentum beinhaltet einen seelischen Entwicklungsweg. Bei manchen unserer Veranstaltungen wird näher darauf eingegangen, inwieweit bereits unsere körperliche Struktur höhere Bewusstseinsmöglichkeiten begünstigt.

Gibt es Themen, die besonders gut ankommen?

Mehrfach wiederholt haben wir die Veranstaltung "Mozarts Zauberflöte - Weg der Einweihung". Die spezielle Kombination von Vortrag, Arien, Chören und Instrumentalmusik hat sehr viele Menschen angesprochen.
Aber auch die Themen, die mit brandaktuellen geistigen Fragestellungen zu tun haben, kommen gut an
.
Gewinnen Sie auch Mitglieder über diese Vortragsveranstaltungen?

Die Stiftung hat keine Mitglieder. Sie macht keine Reklame. Mehrfach haben wir zu Veranstaltungen eingeladen, bei denen Anthroposophen, Sufis, Buddhisten, Rosenkreuzer und Freimaurer zu einem speziellen Thema Stellung genommen haben. Das geschah in Freundschaft, ohne Konkurrenz, in gemeinschaftlicher Bemühung. Die Zuhörer konnten sich dabei über die Eigenart der Bewegungen ihr Urteil bilden.

Haben Sie mit Vorurteilen zu kämpfen?

Ja, es gibt Vorurteile, eben falsche Vorstellungen von dem, was unsere Stiftung beabsichtigt. Aber es gibt genügend Menschen, die offene Ohren haben und für unsere Bemühungen dankbar sind.
Dazu zählen die allermeisten, die einmal bei einer unserer Veranstaltungen waren.

Ihre Stiftung hat schwer messbare Ziele. Wie wissen Sie, wann Ihre Stiftung ihr Ziel erreicht hat?

Unsere Stiftung leistet einen winzigen Beitrag im Rahmen einer Bemühung, die in unserer Zeit in verschiedenen Kulturkreisen und von unterschiedlichen Ausgangspunkten aus unternommen wird. Man wird nie davon sprechen können, dass das Ziel erreicht ist.

Im März 2007 wurde Ihre Stiftung gegründet, also vor vier Jahren. In der Politik ist das manchmal Zeit für einen Regierungs- oder auch Richtungswechsel. Was ist Ihr Resümee? Haben sich die bisherigen Anstrengungen gelohnt?

Als die Stiftung errichtet wurde, dachten wir, dass pro Jahr vielleicht drei bis vier Veranstaltungen gefördert werden könnten. Dank der unerwarteten Resonanz und Unterstützung können im Jahr 2011 circa 20 Veranstaltungen mit fachkundigen Referenten in Deutschland und Österreich stattfinden. Diese Entwicklung hat unsere Erwartungen übertroffen. Die positiven Rückmeldungen sagen uns, dass sich die Anstrengungen lohnen.

Weitere Informationen: www.stiftung-rosenkreuz.de