Newsletter September 2007
18.09.2007
Gibt es eine göttliche Kraft, die allem Bestehenden zugrunde
liegt? Könnte das, was wir "Energie" nennen, eine niedere
Ausdrucksform göttlicher Kraft sein?
Was führt uns zu solchen Fragestellungen?
Immer mehr Menschen spüren, dass sie in ihrem Bewusstsein einen
"Sprung nach vorn" tun müssen, um die stets zunehmenden
Probleme unserer Zeit bewältigen zu können. Eine Besinnung auf
die Grundgedanken der Alchemie kann dabei weiter führen. Es geht
bei ihnen letztendlich um Bewusstwerdung. So veranstaltet die Stiftung
Rosenkreuz zusammen mit dem Landesmuseum in Dresden am 3. Oktober ein
Symposium über Alchemie. Kenner beleuchten von zwei
unterschiedlichen Seiten her die "königliche Kunst". Sie
hat zwei Aspekte: den äußeren und den inneren.
In der vormodernen Zeit bestand ein anderes Bewusstsein, als wir es
heute besitzen. Gibt es die Möglichkeit, das Frühere und das
Heutige auf einer höheren Ebene zu integrieren?
Bei Ägyptologen können wir lesen, dass das Herbeiführen
chemischer Reaktionen zu den am besten gehütetsten Geheimnissen der
ägyptischen Priester gehörte. Prozesse, die in den
Laboratorien unserer modernen Zeit überall praktiziert werden,
wurden damals als Mysterium behandelt. Nur wenige erhielten Zugang dazu,
und das auch erst nach Zeiten intensiver innerer und äußerer
Vorbereitung. Heute können wir darüber lächeln ... oder
können versuchen, ein Empfinden in uns zu erwecken für das,
was damals erlebt wurde.
Man ging davon aus, dass der äußere chemische Vorgang noch
einen geistig-seelischen Aspekt hat. Der ägyptische Priester stand
der Materie, die er erforschte, bewusstseinsmäßig nicht so
gegenüber wie wir: die Materie war für ihn kein bloßes
Objekt. Er vermochte ihren beseelten Aspekt zu erleben. Durch die von
ihm ausgelösten chemischen Reaktionen setzte er Seelenkräfte
frei, die unmittelbar auch in ihm selbst wirkten.
Dabei wurde auch die Erfahrung der "rächenden Gottheiten"
gemacht. Während der laborhaften Prozesse entstand ein spezielles
"Feld", gebildet einerseits von der Beschaffenheit und den
Absichten des Forschers und andererseits von den Kräften, die er in
der Materie erweckte. Diese Kräfte wirkten auf ihn
zerstörerisch, wenn er ihnen auf einer niederen seelischen Ebene
gegenüber trat. Denn die göttlichen Kräfte wollen der
Vervollkommnung dienen und sie lösen das auf, was ihr entgegen
steht. So konnte man von der "Rache", dem göttliche Zorn,
sprechen.
Heute setzen wir Energie frei, wo immer es möglich und
wirtschaftlich ist. An Hand der Kernphysik wurde einmal zum Unterschied
von Wissenschaft und Alchemie gesagt: " ... die Intentionen beider
sind diametral verschieden. Die Kernphysik befreit die Energie durch die
Zerstörung der atomaren Struktur. Alchemie ... benutzt diese
Energien dazu, die Materie zu vervollkommnen, so dass sie und die
Person, die sich damit abgibt, zu einem höheren Grad der
Vollkommenheit gebracht werden" (Barbault, 1975, zit. bei Gebelein,
Alchemie).
In unserer Zeit entwickeln sich Denkansätze und Sichtweisen, die
analog sind zu denen der Alchemie. So sagt C.G. Jung: "Wie die
Imagination, so das Werk." Und die Quantenphilosophie weiß:
"Wie das Bewusstsein des Beobachters, so das Ergebnis seines
Experiments."
Das Symposium behandelt die Alchemie sowohl aus der heutigen
wissenschaftlichen Sicht, als auch unter dem zeitlosen Aspekt der
Vervollkommnung von Mensch und Natur.