Organtransplantation und Wesensveränderung
30.01.2008 von Ingrid Kiepe
Kürzlich erschien ein Artikel in der Zeitschrift Hörzu unter
der bezeichnenden Überschrift "Pumpstation - neue Medikamente
fürs Herz". Die Auffassung ist offenbar weit verbreitet, dass
der menschliche Körper einschließlich seiner Organe aus einem
Ersatzteillager bedient werden kann wie etwa ein Auto. Die Technik wird
immer weiter verfeinert, so dass auch Organtransplantationen bald keine
ernsthaften Probleme mehr bieten.
Wissenschaftliche Untersuchungen über Herztransplantationen an
verschiedenen amerikanischen Krankenhäuser sind nun aber zu dem
Schluss gekommen, dass unsere Herzzellen - und wahrscheinlich unsere
Zellen überhaupt - über ein eigenes Gedächtnis
verfügen. Man spricht von einem eigenen "Herzcode" und hat
festgestellt, dass das Herz eine eigene Energiestrahlung hat, die man
noch in einer gewissen Entfernung von außen messen kann.
In seinem Buch "Heilung aus dem Herzen" berichtet Paul Pearsall
über die Folgen einer Herztransplantation von einem Unfallopfer
für den Empfänger. Die Mutter des jungen Mannes berichtete
über ihre Verwunderung, dass ihr spanisch sprechender Sohn nach
Erwachen aus der Narkose als erstes sagte, es sei alles
"paletti", ein Ausdruck, den sie weder kannte noch jemals zuvor
von ihm gehört habe. Es stellte sich heraus, dass der Spender
diesen Ausdruck immer gegenüber seiner Frau benutzte. Weitere
Veränderungen stellten sich bei dem jungen Mann ein: er wurde vom
gesundheitsbewussten Vegetarier zum Genießer von Fleisch und
fettreicher Nahrung, vom Heavy-Matal-Fan zum Liebhaber von Rock'n
Roll der 50er Jahre - ganz wie der Spender, der als Student in einer
Rock'n Roll-Band gespielt hatte. Und er wurde neuerdings von
Albträumen heimgesucht, in denen bedrohliche Lichter auf ihn
zukommen - wie die Autoscheinwerfer in der Unfallnacht auf den Spender.
Es gibt eine ganze Reihe ähnlicher Berichte, auch von
Empfängern von Spendernieren. Und das lässt uns fragen, was
solche charakterlichen Veränderungen hervorruft. Sicherlich greift
die Definition, unser Herz als eine Pumpstation anzusehen, die lediglich
für den Kreislauf unseres Blutes und die Versorgung unseres
Körpers mit dem notwendigen Sauerstoff zu sorgen hat, viel zu kurz.
Auch die Definition des Momentes des klinischen Todes als sogenannte
Nulllinie unseres Gehirns erscheint in diesem Zusammenhang nur als eine
Notlösung.
Mir scheint, dass hier ein uraltes Wissen um die Bedeutung unseres
Herzens verloren gegangen ist. Wie schon die uralten
Jägervölker versuchten, über das Herz ihrer Jagdbeute
sich deren Mut und Stärke einzuverleiben, so lebt offenbar der
Spender im Empfänger in gewisser Weise weiter, scheint er sich mit
ihm wesensmäßig, karmisch zu verbinden. Auch die Immunabwehr
des Spenderorgans erscheint mir nicht nur als ein rein physischer,
unerwünschter Nebeneffekt solcher Eingriffe, sondern vielmehr als
eine seelische Schutzfunktion gegenüber einem Eingriff in das
eigene Wesen mit seinen besonderen Erfahrungen und Einsichten - der
Ernte eines Lebens.
Sicherlich ist der Wunsch nach lebensverlängernden Maßnahmen
der modernen Medizin verständlich. Dabei ist aber auch zu bedenken,
welche Folgen solche Eingriffe für Spender und Empfänger haben
können. Organtransplantationen sind eben kein bloßer
Ersatzteilhandel.