Wissenschaft und Religion auf Augenhöhe? Transformation durch
Bewusstsein
19.12.2007 von Dr. Dagmar Maria Uecker
Bedeutsame Kräfte und Möglichkeiten schlummern in uns. Neue
Forschungen, vorgenommen bei meditierenden Menschen, eröffnen
völlig neue Sichtweisen auf unser Bewusstsein und sein Instrument,
das Gehirn.
In der modernen Hirnforschung konnte in Langzeitstudien gesichert werden
(durch EEG und Kernspin), dass Menschen, die sich regelmäßig
im Sinne der Meditation in die innere Stille zurück ziehen, einen
deutlich langsameren Abbau von Hirnsubstanz aufweisen.
Die Forscher haben sogar eine bestimmte "Frequenz der Stille"
gefunden, die während der Zeit der inneren Stille im EEG bei einer
Frequenz von 40 Hertz im Gammabereich vorherrscht. Das bedeutet eine
Frequenzerhöhung, die sich als Zunahme der Hirnaktivität durch
Synchronizität der verschiedenen Hirnareale auswirkt. Es entsteht
ein Zustand erhöhter Wachheit und Konzentrationsfähigkeit, der
offenbar auch eine größeren Synchronisation der rechten und
der linken Hirnhälfte, des rationalen und intuitiven Bereichs des
Gehirns, mit sich bringt.
Das öffnet eine Tür in eine Seinsdimension, die jenseits der
polar gesteuerten Zeiträumlichkeit liegt. Die konventionelle
Wissenschaft sah Bewusstsein als "Epiphänomen", als
Begleiterscheinung des Gehirns, an. Inzwischen sprengt die Forschung
dieses Gefängnis, indem sie diesen Prozess als umgekehrt nachweist.
Bewusstsein ist fähig, so weiß man heute, die materiellen
Strukturen des Gehirns zu verändern.
Der Nobelpreisträger Eccles korrigiert ebenfalls die bisher
gültige Meinung, dass die Intelligenz eine Funktion des Gehirns sei
und bekennt sich klar zu der Einsicht: "Der immaterielle Geist
bewegt das Gehirn." Er wies nach, dass es unsere Gedanken und unser
Wille sind, die im Gehirn Neuroproteine (Bausteine von Nervenzellen)
bilden. Die Energie eines Gedankens oder eines Gefühls wird in ein
Eiweißmolekül unseres Gehirns transformiert.
Daraus entsteht die bahnbrechende, aber im gnostisch-hermetischen Wissen
schon immer manifeste Erkenntnis, dass wir in Wirklichkeit geistige
Wesen sind und dass sich die geistige Energie in unseren Körpern
und ihren Organen verdichtet.
Eine weitere folgenreiche Entdeckung unserer modernen Hirnforschung
setzt das determinierende wissenschaftliche Dogma außer Kraft, das
behauptete: "Schon im Säuglingsalter hören Nervenzellen
auf, sich zu teilen." Mit diesem Potenzial müssten wir bis zum
Grabe auskommen. Im Licht der heutigen Erkenntnisse gibt es eine
Neurogenese, das bedeutet, dass täglich in bestimmten Hirnarealen
einige tausend neue Nervenzellen entstehen - und das bis ins
Greisenalter. Es genügen dabei offenbar wenige solcher
neugebildeter Zellen, um die Netzwerkarchitektur des Gehirns grundlegend
zu verändern.
Die Entwicklungsfähigkeit des Gehirns hält also ein Leben lang
an, allerdings nur, wenn diese "Saat" gedüngt wird durch
geistige Herausforderung. So können neue Nervenzellen geschaffen
werden für Bewusstseinsarbeit, gespeist aus unseren Erfahrungen und
als lebendes Potenzial für weiteren Bewusstseinszuwachs. Man
weiß heute auch, welches die Hauptfeinde für diese Neurogenese
sind. Es sind Stressfaktoren, also fehlende Rückbesinnung in
innerer Stille. Auch der (passive) Konsum von Fernsehen führt zu
einer Ablähmung der Bewusstseinsaktivität.
Zurück zu den Beobachtungen bei den Menschen, die
regelmäßig meditieren. Die Kraft der inneren Stille reicht
sicher viel weiter, als Gehirnstromableitungen und
Magnetresonanzuntersuchungen feststellen können. Der Zenmeister
Williges Jäger fragt in diesem Zusammenhang: "Wie kommen wir
aus dieser fatalen quasi-symbiotischen Identität unserer
selbstgeschaffenen Ego-Struktur heraus? Ich glaube, dass die Zukunft des
Menschen in einer Öffnung des personalen Bewusstseins liegt und
dass das Loslassen in die eigene Mitte uns dazu verhilft, mehr zu
begreifen von der Wirklichkeit des Seins."
Wir sehen, wie hier die ängstlich festgehaltenen Grenzen zwischen
Naturwissenschaft und Spiritualität zunehmend aufweichen und in
einen fruchtbaren Austausch münden.
So erkennen wir die ungeheure Chance für ein spirituelles Erwachen
und eine neue Bewusstwerdung, die sich uns durch Eingehen in die innere
Stille erschließt, einer Stille, die im Herzen beginnt und die
zugleich das Verlieren des Ego-Selbstes in die unmittelbare Gegenwart
des Seins eröffnet. Wenn wir diese Tür zu einer
transzendierenden neuen Bewusstwerdung zu öffnen wissen, dann
machen wir das Gefängnis von Zeit und Raum und ihrer trennenden
Polarität auf und entziehen uns zugleich allen energetischen
Feldbedingungen, die uns in unseren alten Glaubenssätzen festhalten
und durch die wir manipulierbar und unfrei sind.
Im geistigen Erbe der hermetischen Gnosis und der
Rosenkreuzerbruderschaft wurde dieses Wissen durch alle Zeiten getragen.
In der heutigen Zeitenwende, in der das spirituelle Erwachen sich in
zahllosen Menschen anbahnt, ist die Geburtsstunde des kommenden neuen
Menschen angebrochen, der eine neue Stufe in der geistigen Evolution
verwirklichen und die wunderbaren schöpferischen Kräfte, die
in seinem Gehirn noch schlummern, zur vollen Entfaltung bringen wird.