Das menschliche Herz - Ort der Begegnung von Wissenschaft und Religion
12.12.2007 von Dr. Dagmar Maria Uecker
"Das Herz ist die Sonne des Mikrokosmos,
ein Ergebnis des Goldes, es nährt sich von ihm.
Wie die Sonne auf die Erde wirkt,
so wirkt das Herz auf den Leib."
Paracelsus
Wir leben in einer Zeit, in der sich gnostisch-hermetisches Gedankengut,
das die spirituelle Entwicklung in den letzten zwei Jahrtausenden
stimuliert hat, zunehmend durch die moderne Naturwissenschaft - vor
allem die Physik, aber auch die Medizin - bestätigt sieht. Die
kosmische Uhr des Wassermann-Zeitalters eröffnet der Menschheit
offensichtlich die Chance, den künstlich herbeigeführten Bruch
zwischen Religion und Wissenschaft zu schließen und beide wieder in
eine Synthese zu führen. Allen Menschen, die nach dem Sinn ihrer
Existenz fragen, eröffnet sich dadurch eine neue
Bewusstseinsdimension.
In sehr subtiler Weise können wir diese "Versöhnung"
bei der Betrachtung der verschiedenen Aspekte des menschlichen Herzens
wahrnehmen. Dieser "Ort" der Versöhnung ist bemerkenswert;
denn ist es nicht eine "Herzensangelegenheit" der Menschheit, zu
einer ganzheitlichen Sicht zurück zu kehren?
In den letzten zwei Jahrhunderten wurde von der materialistischen
Wissenschaft das Herz als Motor, als rhythmischer Blutverteiler
angesehen, der unsere physische Existenz und ihre Atmungs- und
Stoffwechselfunktionen ermöglicht. Zeigten sich die
"Dichtungen" (Herzklappen) oder die "Ölleitungen"
(Kranzgefäße) dieser "Saug-Druck-Pumpe" als
unzureichend, so wurden im technischen Zeitalter hochperfektionierte
operative Ersatzteil-Operationen entwickelt oder das Organ wird schlicht
ausgetauscht.
Spätestens als man bemerkte, dass Menschen nach schwerwiegenden
Eingriffen am Herzen, insbesondere nach Transplantationen, deutliche
Persönlichkeitsveränderungen erfuhren, sich selber und der
Umgebung fremd oder auch schwermütig wurden, begann man, sich
wieder auf die eigentliche zentrale Bedeutung des menschlichen Herzens
zu besinnen.
Gibt nicht schon unsere Sprache Hinweise auf die enge Korrelation
zwischen unserem Herzen und unserem Gemütszustand, unserer Seele?
Freude lässt das "Herz im Leibe hüpfen", in Zuneigung
"verschenken wir unser Herz", Trauer macht unser "Herz
schwer". Ein Mensch mit einem "weichen Herzen" ist
mitfühlend, hingegen deutet ein "verhärtetes Herz" auf
Lieblosigkeit und mangelnde Seelenwärme hin.
1996 brachten die Forschungsergebnisse von Paul Pearsell aus den USA
unter dem Begriff Cardioenergetik völlig neue Perspektiven in die
Bedeutungsskala des menschlichen Herzens. Das Herz, so weiß man
heute durch diese Forschungen, ist der größte Produzent
elektromagnetischer Energie im Körper. Unser Herz reagiert
unmittelbar, das heißt autonom auf elektromagnetische Impulse aus
dem Umfeld, nicht nur auf Befehl des Gehirns, sondern auch ohne dessen
Wissen. Es konnte eine "subtile Energie" nachgewiesen werden,
die nur vom menschlichen Herzen aufgenommen, weiter geleitet und
abgestrahlt wird. Da das Herz der Energieleiter für die
Körperzellen ist, können durch diese Energien merkliche
Veränderungen in den Körperzellen herbei geführt werden,
die man als "info-energetisches Zellgedächtnis" beschrieben
hat.
Diese nur im Herzen messbare Energie wurde von den Forschern fragend in
den Zusammenhang mit einer kosmisch wirksamen Kraft gestellt, dem
"Prana". Unser Herz stellt sich danach als
Universalempfänger kosmischer Energien dar.
Ferner ist das Herz - wie die Forscher weiter feststellen - die
wichtigste ordnende und rhythmisch wirksame Kraftstation in unserem
Lebenssystem. Es benutzt seine Informationsenergie, um sich mit dem
Gehirn zu verbinden. Es koordiniert seine Aktivitäten mit dem
Gehirn, lässt sich aber von diesem keine Vorschriften machen.
Das Herz schwingt, denn es enthält informationstragende Energie und
so "spricht" es zu unserem Bewusstsein und sendet seine
Botschaften zur Umwelt aus. Es hat eine besondere Muskelarchitektur,
damit der Grundton der Schwingung nicht verzerrt wird. Die
Herzmuskelzellen greifen netzartig ineinander, halten sich umfangen und
sind durch keine feinen Bindegewebsmembranen voneinander getrennt. Wir
können lernen, diesen speziellen Herzcode zu entschlüsseln,
wenn wir unser Gehirn zum Schweigen bringen, in die innere Ruhe
einkehren und zu verstehen versuchen, was das Herz uns zu sagen hat,
welche Erinnerungen aus den unbewussten Tiefen des
Zellgedächtnisses also ans Tageslicht kommen wollen. Das Herz hat
seine eigene Weisheit, die sich von dem Wissen des rationalen Verstandes
unterscheidet.
Diese Erkenntnisse der modernen Cardioenergetik decken sich mit der
Schau Rudolf Steiners, der vom Herzen als von einem "inneren
geistigen Sinnesorgan" spricht. Auch Schriftsteller wie
Saint-Exupéry vermitteln eine solche Sicht mit den Worten: "Man
sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen
unsichtbar." Wundert es dann noch, wenn nach einer
Herztransplantation der Träger den fremden Herzcode mit seinem
eigenen "info-energetischen Zellgedächtnis" nicht in
Einklang bringen kann und sich selbst fremd wird?
Der Astronom und Hermetiker Johannes Kepler (1571-1630) spricht von der
Sonne als der Trägerin des Geistfeuers. Die Sonne korrespondiert
unmittelbar mit dem Herzen über die Vermittlung des Sonnenmetalls
Gold. "Wie die Sonne auf die Erde wirkt, so wirkt das Herz auf den
Leib", so drückt Paracelsus diese hermetische Analogie aus. Das
Herz ist der mächtigste und subtilste Botschafter des reinen
geistigen Seins. Dieses vibriert in der Tiefe des Herzens - im
Mittelpunkt unseres Mikrokosmos - als göttlicher Lichtfunke und ist
zugleich allgegenwärtig um uns. So ist das Herz ein pulsierendes
Wunder aus Licht und Energie. Es ist die Nahtstelle, an der sich das
Göttlich-Geistige mit dem Menschlich-Irdischen verbinden und
versöhnen will. Daraus kann und soll die Sohnschaft entstehen.
Zwischen dem Moment des Aufnehmens des Blutes aus dem Körper und
dem des erneuten Auswerfens in den Körper gibt es im Herzen eine
kleine Zeit des erfüllten und angespannten stillen Wartens, eine
"wundersame" Ruhe. In dieser Stille, in der sich alle
Informationswellen im Herzen versammeln, "pocht" auch das
allgegenwärtige geistige Licht, die kosmische Weltseele an die
Pforte unseres Herzens, um den innewohnenden Geistfunken, die "Rose
des Herzens", wie die Rosenkreuzer sagen, zu berühren.
Aus der Alchemie, die symbolhaft den spirituellen Transmutationsprozess
aufzeigt, wissen wir, dass das "Gold" - das Geistfeuer - die
niedrigen Metalle zur Vervollkommnung tingiert (berührt). Das Herz,
die "Sonne" unseres Mikrokosmos, vermittelt die geistige
Berührung dem Verstandesbewusstsein, also dem Gehirnsystem, und
ferner dem "info-energetischen Zellgedächtnis" des gesamten
Körpers. So kann, vom Herzen ausgehend, ein Transformationsprozess
beginnen, der uns zum spirituellen Erwachen und damit in eine neue
Bewusstseinsspirale führt.
So bestätigt sich das uralte gnostische Gesetz bis in die
anatomisch-physiologische Ebene hinein: "Willst du das Gold des
Geistes finden, so musst du mit dem Gold (des Herzens) beginnen."
Der Schlüssel zur wahren Weisheit ist das "Denken mit dem
Herzen."