WELCHE WAHL LÄSST UNS DIE KRISE?
19.05.2010 von Gabrielle Spaeth
Gottfried Wilhelm Leibniz
Was sind die Wurzeln einer Krise? Jeder Mensch hat Krisen durchgemacht.
Aus jeder Krisensituation können wir etwas lernen. Wir können
uns fragen: Woher es kommt, dass "immer ich" - wie es bei
unliebsamen Dingen im Alltag bei uns fünf Kindern hieß - in
der Krise stecke?
Als kleines Kind war ich oft krank und musste lernen, dass das mein
"Schicksal" war. Ich war genötigt es anzunehmen. So lernte
ich, Krisen für einen neuen Anfang zu nutzen.
Die Wurzeln der Krisen liegen im eigenen System. Indem sie ausbrechen,
lernen wir uns kennen. Im Laufe der Jahre wird deutlich, dass wir nur
überlebensfähig sind, wenn wir mit Krisen umgehen können.
Sie ermöglichen notwendige strategische Veränderungen in
unserem Leben.
Das gleiche gilt auf der Ebene der Gesellschaft. War es nicht lange
vorauszusehen, dass das gesamte Geld- und Bankensystem einmal in die
große Krise geraten muss? Jeder denkt nur an sich selbst und wie er
sich auf Kosten anderer bereichern kann. Und denen, die auf diese Weise
groß geworden sind, den Institutionen und Konzernen, wird nun eine
Unsumme neu geschaffenen Geldes zugesteckt. Es kann sich nur als
verhängnisvoll erweisen. Das System mit seinen bisherigen
Denkmustern ist marode und muss untergehen. Es wird sich auflösen
und wir werden den Preis dafür bezahlen. Doch wir werden zugleich
die Chance erhalten, neu anzufangen.
Wir fragen meines Erachtens zu wenig danach, was Menschsein bedeutet.
Wir verlieren uns darin, immer mehr wissen und besitzen zu wollen. Ein
ungezügelter Egoismus ist aber keine krisensichere Basis für
eine Gesellschaft. Er kann keine vernünftig sittlichen,
verantworteten freien Entscheidungen herbeiführen.
Welche Wahl lässt uns die Krise? Wir können daran gehen, unser
Leben selbst zu bestimmen, in Verantwortung und in dem vollen
Bewusstsein, dass "nichts notwendig ist, dessen Gegensatz
möglich ist", wie Gottfried Wilhelm Leibniz es so trefflich
ausdrückte.
Das ist eine hohe Anforderung, ein Ruf zu einem Bewusstseinswandel. Er
wird möglich, wenn wir den Fragen nachspüren: Woher komme ich,
was ist mein Auftrag hier auf Erden und wohin gehe ich?
Das tiefer Reichende hilft uns, Wesentliches von Unwesentlichem zu
unterscheiden. Es verschafft uns ein eigenverantwortliches Bewusstsein,
das insgesamt Segen verbreitet.
Wir können in uns erfahren, dass es eine ursprüngliche Welt
gibt, von der wir weit abgewichen sind. Hier, am Ort unserer jetzigen
Existenz, können wir uns zu einer Umkehr entscheiden. Wir sehen uns
dann vor die Aufgabe gestellt, unsere Welt so zu gestalten, dass sich
möglichst viele Menschen auf den Weg der Erneuerung begeben
können.
Das ist die große Chance, die aus jeder Krise erwachsen kann. Jeder
kann sie auf der Grundlage seiner eigenen Erfahrungen wahrnehmen.
Für mich bedeutet innere Umkehr, das in mir verborgene geistige
Wesen zu befreien vom Rad der ewigen Wiederkehr.
Kann das Wählen der einen oder anderen politischen Partei aus der
Krise führen? Wir wünschen uns das immer wieder. Aber so lange
wir uns nicht selbst ändern, können wir auch von den
Politikern nicht erwarten, dass sie "den Karren aus dem Dreck
ziehen".
Es gibt schreiende Ungerechtigkeiten, Grausamkeiten und Bedrohungen. In
der Tat. Aber beginnen wir doch bei uns selbst. Versuchen wir, Wurzeln
in uns herauszureißen, durch die, wenn sie sich im Großen
zusammenfügen, die Krisen, Ungerechtigkeiten, Grausamkeiten und
Bedrohungen entstehen. Jeder Einzelne hat die Chance, die Erneuerung und
totale Veränderung einzuleiten.
Abb.: Quelle Wikipedia