Die dunkelste Dunkelheit
27.01.2010 von Silke Karwowski
"Die dunkelste Dunkelheit erzeugt und ermöglicht unsere
lichtesten Momente.
Die Nacht gebiert den Tag."
Diese Dunkelheit habe ich in den letzten Tagen, Wochen durchgemacht.
Aber recht intensiv. Es geht nicht abrupt, sondern ganz allmählich,
dass der Tag geboren wird, dass Licht in das Leben tritt.
Es ist immer wieder ein Ringen mit Dornengestrüpp auf dem Weg. Man
stolpert, fällt, wird zerkratzt und steht wieder auf. In der
Dunkelheit versteht man absolut nichts mehr, man kämpft, wehrt
sich, ist wütend, ist traurig und schließlich "gibt man
auf", lässt los, lässt das Los, und ... plötzlich
spürt man wieder den Ariadne-Faden zwischen den Fingern. Die
Schwärze weicht, der Albdruck schwindet, und es wird licht im
Herzen.
Noch in der Dunkelheit, hörte ich bereits eine Melodie im Inneren,
ein leiser Hoffnungsschimmer, ein Rufen, ein Mahnen ("Erinnere dich
deines Auftrages!"). Der Dauerlauf durch die Felder in tiefster
Morgendämmerung, der Schnee erhellte ganz leicht den Weg, ich hielt
ein wenig inne nach den anspannenden Arbeitstagen. Ein Konzert, mit
einem Freund besucht, ließ die Seele spürbar entspannen, ich
konnte wieder heiter sein.
Und doch fehlten mir noch mehr Gespräche mit Menschen, Reflexionen
über das, was in letzter Zeit mit mir geschehen war, was mit mir
los war. Die Menschen kommen erst zu mir, wenn ich sowieso wieder heiter
und gelassen bin. In der Dunkelheit kann keiner mich finden, es sei
denn, der mich Suchende hat eine Taschenlampe, oder ich leuchte ihm
entgegen. In der Dunkelheit weise ich jede Begegnung, jede Hilfe ab, ich
kapsele mich starrköpfig in der Einsamkeit ab, ich kann nicht
anders, ich will nicht anders.
Bis das Eis gebrochen ist, bis das "Ich" gebrochen ist oder der
Stolz. Dann kommt Hilfe wie von selbst, und man braucht sie schon nicht
mehr, dann kommen Begegnungen mit Menschen, und ich bin mit mir alleine
zufrieden und im Gleichmaß. Dann blicke ich zurück und denke,
was war ich für ein Tor, welch ein Dummkopf. Warum so abweisend und
schwierig, warum dickköpfig oder depressiv und so im All verloren.
Und jetzt ist alles gut. Anscheinend kann der Mensch nur durch viele
viele Erfahrungen, durch Ringen nach Erkenntnis zu diesem Guten
durchbrechen, zu diesen lichtesten Momenten, die allzeit sind. Aber er
kann, er vermag es!! Das Licht ruft den Menschen immer.
Foto: Silke Karwowski