Um einfach zu werden, muss man sich entfalten...
29.07.2009 von Amay Franck
Bald ist es wieder so weit. Der rote Klatschmohn wird blühen. Die
Knospe bricht dann auf und die Blütenblätter werden zum
Vorschein kommen - hauchzart, aber voller Falten und zerknittert.
Langsam werden sie sich dann entfalten und ihre Schönheit
preisgeben
In einem Text über Maria Magdalena fand ich einen interessanten
Hinweis. Dort wird von der Einfachheit der Seele gesprochen, von "
aplotes", d.h. " ohne Falten sein." Maria Magdalena stand
Jesus besonders nahe, da sie diese Einfachheit der Seele
verkörperte. Dem steht die " dipsulia", die Duplizität
gegenüber. Die Duplizität der Seele wird beschrieben als
" Falten und Winkel unserer Erinnerung." In der Summe ist es
dies, was wir auch unser Ich nennen können.
Was bedeutet das nun konkret?
Wir sprechen doch oft davon, dass wir uns entfalten wollen oder dass uns
jemand - oder auch wir selbst - in unserer Entfaltung behindert. Aber
das meint oft genau das Gegenteil von der ursprünglichen Bedeutung.
Entfaltung kann aber auch heißen, dass wir uns, wie die
zerknitterte Mohnblüte, auseinander falten und faltenlos werden.
Was passiert dabei? Die " Falten und Winkel unserer Erinnerung"
kommen ans Tageslicht - werden sichtbar - bevor wir sie, um zur
Einfachheit der Seele zu gelangen, loslassen.
Warum ist dies so schwer?
Ich glaube, dass das daran liegt, das wir die " Falten und Winkel
unserer Erinnerung" sind und weil sie die Basis für unser
Urteil über uns selbst, die anderen und die Welt sind. Wir
müssten alles und jeden neu sehen, vorurteilslos.
Ist es denkbar, dass auch dies mit dem Jesus-Wort " Siehe, ich mache
alles neu" gemeint ist?