Sommerabend
17.06.2009 von Annette Kunze
Nach einem langen Arbeitstag beschließen wir, noch ein wenig Luft
zu schnappen. Ein lauer Wind weht. Es duftet nach Honigklee, nach reifen
Ähren. Ich mag diesen Weg am Waldrand mit seinem weich bemoosten
Teppich. Die Kiefern strahlen eine angenehme Wärme ab nach diesem
heißen Sommertag. Wir gehen schweigend, nehmen dankbar die Stille
auf. Das Zirpen der Grillen vermischt sich mit den ersten Vogelstimmen,
die ihr Abendlied singen. Eine Bank am Waldrand lädt zum Verweilen
ein.
Zeitlosigkeit und Ruhe, begleitet von einer fast schmerzhaften
Sehnsucht. Es ist still, so still. Ein seltsamer Zauber hält mich
umfangen, so, als wäre ich genau dort, wo diese Sehnsucht
herrührt. Wie aus einer Quelle strömt eine innige Kraft empor,
die mein ganzes Wesen umfängt. In Momenten des Stillewerdens und
Lauschens nach Innen findet die Ewigkeit eine Tür im Herzen, kann
sie uns berühren. Dieser Augenblick lässt eine Gewissheit in
mir zurück: Da ist noch etwas anderes, das gehört werden will.
Langsam taucht der Himmel in abendliches Blau und verschwimmt mit dem
kalkweißen Gestein des Weges. Wir machen uns auf den Heimweg.
Foto: Ch. Achenbach