Das Netz
11.02.2009 von Christa Zuch
Vögel fliegen der Morgenröte entgegen. Sie können gar
nicht schnell genug weg kommen. Mit kräftigen
Flügelschlägen eilen sie davon, obwohl sie für diesen so
ersehnten Moment nicht üben konnten. Ihre Muskulatur müsste
eigentlich geschwächt sein, denn sie waren in einem Netz gefangen
gewesen. Wer war das? Wie konnte das geschehen? Fragen, Fragen ... Und
keine Antwort? Grausames Schicksal, das sie urplötzlich ihrer
Freiheit beraubt hatte?
Ist das nicht ein Bild für das, was wir so oft im Laufe unseres
Lebens erleben?
Wir zappeln in der Enge eines Netzes. Irgend etwas oder jemand, oder wir
selbst haben uns in diese Trost- und Hoffnungslosigkeit hineingebracht.
Nun zappeln wir in der Verstrickung. Wir sehen nur noch die Knoten und
die Querverbindungen. Das löst Panik und Fluchtgedanken aus. Das
treibt uns an, zu kämpfen, obwohl die Aussichtslosigkeit, frei
werden zu können, uns gleichzeitig lähmt und schwächt.
Die Luft der Freiheit können wir zwar erahnen, aber die Stricke des
Netzes sind so nahe an unserem Körper, dass sie uns alle
Bewegungsmöglichkeit nehmen. Aber gibt es da nicht das Sprichwort:
Freiheit verleiht Flügel?
"Und wenn es kommt
und wenn's dich packt
und über dir zusammen bricht:
Streit und Neid und Hast und Last -
vergiss nie, dass du Flügel hast."
Cäsar Fleischlen
Freiheit
Plötzlich hebt sich die Schwere des Netzes dem Licht entgegen. Ja,
richtig, das LICHT! Warum hatten wir das vergessen und immer nur in
Selbstmitleid in die Dunkelheit gestarrt? Doch nicht alle. Einige gaben
den Glauben an die helfende Macht der Liebesstrahlung Gottes nicht auf.
Sie ist immer um und in uns. Können wir uns ihr nicht im Loslassen
des eigenen Wollens hingeben? Mit geöffnetem Herzen? Und siehe,
Öffnungen werden sichtbar! Die engen Maschen sind auf einmal
zerrissen!
Das ist die Chance! Nichts wie raus und in die Höhe! Unbeschwert
atmen! Unglaublich, dieser weite, weite Blick! Ganz neue Perspektiven
tun sich auf: Ich bin wieder an dem Platz, den Gott einst für mich
erdacht hat. Wie schön ist es, in diesen Ursprungszustand
zurückversetzt zu sein!
ICH BIN FREI
Foto: Ch. Achenbach