Wunschlos glücklich?
23.01.2008 von Amay Franck
Im Radio hörte ich eine Sendung über eine Reise nach
Ägypten. Eine Reisegruppe fuhr von Oase zu Oase und kam mit den
Menschen, die dort leben, in Kontakt. Besonders interessierten sich die
Teilnehmer offenbar für Nofretete. Immer wieder fragten sie die
ägyptischen Frauen, was sie von ihr wussten. Sie war ihnen wohl
bekannt, aber sie betonten immer wieder, dass sie einfache
Bäuerinnen seien und ein ganz anderes Leben führten.
In dieser Sendung wurde auch von einem Gespräch berichtet, das die
Reporterin mit einer Fellachin führte. Sie besuchte sie in ihrer
Hütte, in der sie mit ihrer Familie und den Ziegen wohnte. Ihr Mann
war zum Zeitpunkt des Gesprächs nicht anwesend, er war mit seiner
Zweitfrau bei der Hochzeit ihrer Tochter. Die Frau, mit der die
Reporterin das Gespräch führte, schien das nicht zu
stören. Sie wurde gefragt: "Wünschen Sie sich etwas?"
Offenbar wusste die Ägypterin nicht, was damit gemeint war, denn
sie fragte: "Wünschen? Was meinen Sie damit?" Die
Reporterin versuchte es noch einmal und fragte: "Möchten Sie
etwas in ihrem Leben verändern?" Auch auf diese Frage reagierte
die Frau verwirrt. Sie antwortete:
"Wir haben alles, was wir brauchen: die Hütte, Essen und
Trinken. Die Kinder sind gesund und wenn sie in die Schule gehen
können, sind wir zufrieden. Und dann fügte sie hinzu: "Ich
möchte nur das, was Gott mir gibt."
Ich war auf der Autobahn, als ich dies hörte und ich weiß
noch, wie ich davon tief betroffen war. "Ich möchte nur das,
was Gott mir gibt".... Dieser von der Frau so
selbstverständlich formulierte Satz machte mir klar, wo ich stehe.
Ich fragte mich, ob ich das auch so sagen könnte und merkte, dass
ich es nicht kann. Ich möchte es manchmal anders haben, als es ist.
Aber ich weiß auch, welchen Preis ich dafür bezahle. Für
jeden Wunsch bezahlst du, dachte ich. Nicht erst, wenn du ihn dir
erfüllst, sondern schon davor. Du zerstörst das, was ist, das
Jetzt, den Augenblick.
Woher, fragte ich mich dann aber auch, kommt eine derartige Einsicht?
Wenn mein Ich spricht, dann wird es so nicht denken. Wünsche
bestimmen das Leben und alles, was zu ihrer Erfüllung nötig
ist, setzt unser Denken, Fühlen und Handeln in Bewegung. Woher also
kam diese Einsicht? Woher kamen diese Betroffenheit und Trauer?
Ich glaube, sie kamen daher, dass ich in diesem Moment spürte, dass
ich dieses "Nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe" nicht
so selbstverständlich und authentisch sagen kann, wie es die
ägyptische Frau offenbar konnte. Das stimmte mich traurig. Und es
stimmt mich froh, dass ich darüber traurig sein kann. Denn es
zeigt, dass in diesem Moment etwas anderes aus mir spricht. Etwas, das
sich von mir wünscht, dass auch ich auf dem gewählten inneren
Weg einmal sagen kann: "Ich möchte nur das, was Gott mir
gibt."