Im Hinterhof
12.09.2007 von Martin Greger
Ende der Achtziger Jahre wohnte ich Parterre in Berlin in einem
Hinterhof. Ich war damals ein ziemlicher Pflanzennarr und mein geliebtes
Fensterblatt hätte dort - bei den Lichtverhältnissen - wohl
nichts zu lachen gehabt. Deshalb besorgte ich mir sieben
Tageslicht-Neonröhren und viel Alufolie. Meiner Monstera ging es
nun prächtig und der Stromzähler drehte sich natürlich
auch fleißig.
Als das erste Unwetter draußen aufzog, erlebte ich etwas Seltsames.
Zur normalen Tageszeit, wo ich es gewohnt war, auf die Sträucher
neben den Mülltonnen zu blicken, verfinsterte sich alles, aber in
meinem Zimmer blieb es taghell.
Na klar, werden Sie sagen, bei sieben Neonröhren...
Doch was sich mir einprägte, war das plötzliche Finsterwerden
im Außen und die strahlende Helligkeit drinnen.
Wenn wir uns im Freien aufhalten und es plötzlich finster wird,
passen sich unsere Augen schnell an und wir merken es kaum noch. Aber
durch meine Röhren-Bastelei stieß ich auf einen Effekt, der
mich nicht mehr losließ.
Unser Bewusstsein ist stark tageslichtabhängig. In der dunklen
Jahreszeit bekommen viele Menschen zum Beispiel Depressionen. Unsere
täglichen Pflichten orientieren sich am Gang der Sonne und der
Jahreszeiten. In der äußeren Dunkelheit kann es aber drinnen
hell sein. Das war mir vor Augen geführt worden. Was heißt
"drinnen"?
Dazu mache ich einen Sprung zum Ende der Bibel, zu einer Stelle, die
vielleicht sogar das Ende allen Suchens ausdrückt.
"Ich, Jesus, habe gesandt meinen Engel, solches euch zu bezeugen an
die Gemeinden. Ich bin die Wurzel des Geschlechts Davids, der helle
Morgenstern (Off. 22, 16).
Der helle Morgenstern als Symbol, könnte dies ein Hinweis sein, wie
Zeit und Raum sich verwandeln können? Hatten die drei Weisen aus
dem Morgenland nicht auch einen Stern gesehen?
Der reale Morgenstern ist wie der reale Abendstern: die Venus. Sie ist
vor der Nacht und nach der Nacht hell und schön am Himmel zu sehen.
Der "helle Morgenstern" ist für mich die Liebe zu einem
Ewigkeitswesen, das uns von innen erleuchtet und die Bewusstseinsnacht
beendet. Die Venus ist als Stern am Himmel nur ein kleines Licht. Aber
ihr Zwilling im Herzen kann der Beginn eines Lichtprozesses werden und
uns derart wunderbar erleuchten, dass die Lichter im Außen ihre
Dominanz verlieren.