Reinkarnation? Mein Erlebnis.
18.07.2007 von Heinz Vincon
Bei Kriegsende war ich 14 Jahre alt. Unser Haus in Frankfurt war
zerbombt. Wir lebten unter sehr ärmlichen Umständen in einem
kleinen Dorf, meine Großmutter, meine Mutter, meine Geschwister und
ich. Ich half den Bauern bei der Arbeit auf dem Hof und auf den Feldern.
In dieser Zeit trat bei mir eine schwere Atemnot auf, insbesondere, wenn
das Gras frisch gemäht war und bei den Erntearbeiten. Im Jahre 1947
verschlimmerte es sich so sehr, dass jedes Atemholen zur
Kraftanstrengung wurde. Ich konnte kaum noch schlafen. Hinzu kam, dass
unsere fünfköpfige Familie nicht genug zu essen hatte.
Eines Tages, nach nächtelangem Wachsein und wenig Essen, war ich am
Ende meiner Kräfte. Ich kämpfte um Luft und es tauchte die
bohrende Frage auf: Wo bleibt die Gerechtigkeit Gottes? Warum muss ich
so leiden und eventuell an Atemnot sterben? Was habe ich getan? Dabei
fielen mir andere schwere Schicksale ein, zum Beispiel Menschen, die als
Krüppel geboren wurden. Wo ist die Gerechtigkeit?
Das bohrende Warum war die letzte Bewegtheit in mir, als ich vom
Wachbewusstsein ins Unbewusste fiel. Ich fiel gleichsam in eine
Dunkelheit. Plötzlich sah ich "mich" in einer anderen Zeit.
Ich sah, wie in einer starken emotionalen Bewegtheit eine schlimme Tat
begangen wurde. Ich wusste, fühlte und empfand im Innersten: Das
war ich. Das kurze Erlebnis löste sich schnell wieder auf und ich
fand mich wieder am Tisch sitzend, den Kopf auf ein Kissen
gestützt. Das fragende, bohrende, quälende Warum war
verschwunden. Eine Wahrheit erfüllte mich: Man lebt nicht nur
einmal, und das Schicksal, das ich erleide, ist die Folge aus
Vergangenem.
Ich wurde zu einem suchenden Menschen. Heute weiß ich etwas vom
Karmagesetz. Ich kann das, was zu mir gehört, annehmen. Denn es
liegt eine Aufgabe darin verborgen. Wir haben die Möglichkeit,
alles in ein höheres Licht zu stellen. Schon die Bemühung
darum lässt in mir etwas aufleuchten, das nicht mehr dem Gesetz
untersteht. Wir können den Schicksalskreislauf seelisch verlassen.
Es gibt eine höhere Oktave des Menschseins. Alle bitteren
Erfahrungen sollen uns dazu reif machen, dem Ruf dorthin zu folgen.