Selbsterfahrung
Flugreise
13.06.2007 von Bettina Löber
Neulich, bei einer Zwischenlandung auf dem Weg in den Urlaub, saß
ich in einem der vielen Gänge des Flughafens und sah den hin und
her eilenden Leuten zu. Auf einmal ging mir durch den Kopf: Was muss ein
Mensch eigentlich alles können, um in ein anderes Land zu fliegen?
Er muss sein Ziel kennen und sich von seinem Zuhause lösen. Im
Flughafen, im organisierten Chaos unserer Zeit, das sich dort
täglich abspielt, muss er Schilder lesen können: Buchstaben,
Zahlen und Symbole. Er muss auch laufen können, manchmal lange,
anstrengende Wege durch die Menschenmassen hindurch – das kann
Nervenstärke erfordern. Sitzt er dann im Flugzeug, sind wieder ganz
andere Qualitäten gefragt. Jetzt heißt es: vertrauen, alle
Ängste loslassen und zuversichtlich der Reise entgegensehen.
Turbulenzen gehören zum Alltag des Piloten und zu den Erlebnissen
des Reisenden. Schließlich kommt er an und nun gilt: andere
Länder, andere Sitten. Er beginnt, eine andere Sprache zu erlernen,
sich landestypisch zu ernähren, eine neue Kultur zu entdecken.
Vielleicht kommt ihm alles fremd vor, aber es kann auch sein, dass ihm
alles seltsam vertraut erscheint, als wäre er schon einmal hier
gewesen.
Wie ähnlich sind doch die Erfahrungen eines Menschen, der einen
spirituellen Weg geht, dachte ich und vergaß für eine Zeit
lang das Treiben um mich her. Auch dieser Weg beginnt mit einem -
innerlichen - Abschied vom Gewohnten und dem Blick auf ein neues Ziel.
So wird in den gnostischen Weisheitslehren eine göttliche Welt
beschrieben, die aufgrund ihrer typischen Beschaffenheit aus Licht,
Reinheit und ewiger Vollkommenheit von unserer irdischen Welt
völlig verschieden ist und einen ganz anderen
Schwingungsschlüssel besitzt. Die Gebundenheit des Menschen an den
sich stets wiederholenden Wechsel zwischen Tag und Nacht, Geburt und Tod
wird als Finsternis beschrieben. Nur eine Seele, die dies alles los
lässt und sich läutert, ist zum Flug in das Lichtland
fähig.
Ohne die helfenden Wegweiser der Gnosis – das Wirken ihrer Lichtkraft in
der Zeit durch Menschen, die ihr dienen – würden wir den Flugsteig
wohl nie finden. Aber wenn wir lernen, die Zeichen zu lesen und ihnen
geduldig und ausdauernd zu folgen, können wir den Flug in das
göttliche Land beginnen. Es ist in Wahrheit ein Flug nach innen,
ein Flug der Entdeckung des wahren Menschen in uns. Die Seele erreicht
das Lichtland und erkennt es als ihre ursprüngliche Heimat, die sie
bereits seit unvordenklichen Zeiten gesucht hat.
Ich stand auf und folgte den Schildern zum Flugsteig.