Selbstfindung
18.03.2009 von Christa Zuch
Ich kenne ein Bild, auf dem ein Mensch einen großen Stein den Berg
hinauf wälzt, einen Stein, der viel zu schwer ist. Er bewegt sich
auf einem steilen Abhang - ein falscher Schritt, und er stürzt
hinab ins Ungewisse. Doch das Bild vermittelt uns den Eindruck, dass er
es schaffen wird. Er macht etwas scheinbar Unmögliches
möglich.
Sein Blick ist nicht auf den Stein gerichtet, sondern allein auf das
Ziel.
"Wer das Ziel nicht kennt,
kann den Weg nicht haben,
muss nur immerfort,
im gleichen Kreise traben"
sagt Christian Morgenstern in einem seiner vielen tief durchdachten
Gedichte. Nur durchdacht? Nein, erprobt, erprobt ohne Angst, ob es
gelingt. Die Angst vor der Angst ist bei vielen so immens, dass es eines
erheblichen Stehvermögens bedarf, um durch die innere Angstwand
hindurch gehen, hindurch leben zu können. Dahin muss ein Mensch
reifen. Doch: "Man kann keine Grenzen überschreiten, wenn man
sie nicht gefunden hat und bis an ihr Ende gegangen ist." (Rainer
Maria Rilke)
Dann, ja dann kann jeder, der es aus einem innersten Bedürfnis
heraus will, einen noch so schweren Stein, den Stein der Selbst-Findung,
nicht mittels seines Ego, sondern durch die innere Kraft der Seele,
mühelos auf den Gipfel des Neuerlebens seines Seins bringen.
Sisyphos Staatliche_Antikensammlungen:wikipedia