Über die Schönheit
12.11.2008 von Angela G. Paap
Immer bin ich auf der Suche nach der Schönheit - und zugleich nach
der Antwort auf die Frage, was Schönheit eigentlich ist. Sie
scheint etwas Absolutes zu sein. Erstaunlich dabei ist, dass sie uns
niemals absolut, also losgelöst von äußeren
Umständen, vor Augen tritt. Die Schönheit einer Landschaft ist
vom Standpunkt des Betrachters abhängig. Der Anblick, der sich eben
noch in schöner Anordnung präsentiert hatte, verschwindet,
sobald man sich einige Meter weiter bewegt. Schon wird der Baum nicht
mehr von den beiden Bergen flankiert; auch die Sonne ist weitergezogen
und wirft ihr helles Licht nicht mehr auf die Wiesen im Hintergrund.
Unversehens klingen die Dinge nicht mehr zusammen, sie scheinen einander
gleichgültig geworden zu sein.
Die Schönheit eines Menschen zu sehen verlangt oft einen bestimmten
Blickwinkel oder die Ausblendung von Makeln. Dennoch: Der Mensch strahlt
bei all seiner Zerbrechlichkeit eine Lebendigkeit und einen Adel aus,
der seiner Vergänglichkeit spottet. Ist auch dies Schönheit?
In jedem Fall ist das Erlebnis der Schönheit nur ein Moment in Zeit
und Raum, gleichsam ein Aufblitzen einer höheren Ordnung in unserem
mäßig geordneten Dasein. Vergänglich oder nicht: Etwas
Vollkommenes scheint durch und beweist uns, dass das Vollkommene mit
unserer Welt, mit unserem Leben zumindest verbunden sein muss. Ist diese
Welt auch nicht vollkommen, so wird sie doch von einer höheren
Ordnung getragen.
Man kann den Momenten der Schönheit nachjagen und sie sammeln als
vermeintlichen Beweis für die Sinnhaftigkeit des Daseins.
Doch sollten wir nicht auch den Versuch wagen, zu der unerkannten
Schönheit durchzudringen, die als Urkraft unser Wesen durchzieht?
Denn wir sehen den Flügelschlag der Schönheit nur, weil er uns
von innen auf gleiche Weise, wie im Vorübergehen, berührt. In
der Hingabe an diese Kraft liegt ein neuer Beginn: unvergänglich,
lebendig, schön.
Gemälde von C. D. Friedrich: Der einsame Baum