Gedanken über Liebe und Stille
01.04.2008 von Angelika Häusler
Es ist Frühlingsanfang. Am Fenster sitzend schaue ich zu, wie
Schneeflocken sich leise auf die Frühlingsblumen legen, auf die
vielen Knospen, die sich gerade entfalten wollen, auf all das frische
Grün. Die Natur ist mit einem weichen Mantel aus weißem Schnee
bedeckt. Alle Geräusche haben aufgehört, ganz still ist es
geworden. Wie wunderschön sanft und friedlich alles wirkt. Die
Birke vor meinem Fenster steht wie bewegungslos ... Doch ist sie das
wirklich?
Mir fällt ein Gespräch mit Freunden über die Liebe ein.
Es kam mir dabei so vor, als ob tief in jedem Herzen ein Feuer brennt;
als ob eine unstillbare Sehnsucht nach Liebe existiert, ein Sehnen nach
Erlösung. Und gleichzeitig scheint es mir - paradoxerweise -, als
flössen die Herzen der Menschen über vor Liebe. Wir haben so
viel davon und möchten sie unbedingt weiter schenken, aber wissen
nicht, wie und wem. In unserem Bemühen, alles gut zu machen,
scheitern wir immer wieder, denn es gibt nichts beständig Gutes in
unserem Leben.
Ohne Liebe wäre die Welt ein trostloser Ort. Doch was ist die Liebe
der Welt wirklich? Eigentlich haben wir alles, was wir brauchen, im
Überfluss in unserem Herzen. Doch wie sehr wir uns auch
bemühen, etwas Gutes zu schaffen, es bleibt nur Stückwerk,
weil immer etwas fehlt.
Im Grunde unseres Herzens wissen wir: Würde diese Sehnsucht nach
wahrer Liebe vollkommen gestillt, wäre alles erlöst, denn
alles wird in der Liebe aufgelöst, das Gute und das Schlechte, das
Hässliche und das Schöne. Die Gegensätze, die unser Leben
plagen, würden verschwinden. Wir könnten glücklich und
frei sein. Wie unwichtig erscheint demgegenüber das endlose Ringen
um Macht und Erfolg. Die Liebe zu befreien, die wie ein Feuer in uns
brennt, ist die einzige Aufgabe, die wir wirklich einmal vollkommen
erfüllen müssen.
Wie unbeschreiblich gut tut es, wenn wir ab und zu in die Stille
eintauchen können. Wenn unser lautes Ich wie die Birke im Schnee
ruht, kann das Wahre, das Lebendige zu uns sprechen. Wie der Duft einer
Rose weht ein Hauch des großen Geheimnisses aus der Stille zu uns
herüber.