Frieden - nur ein Traum der Menschen?
25.03.2009 von Dr. Martin Zichner
Aus dem 5. Jh. nach Christus gibt es zum Thema Frieden eine
Feststellung, die auch heute noch Gültigkeit hat: "So wie es
niemanden gibt, der keine Freude haben will, so gibt es auch niemanden,
der keinen Frieden haben will." Der Autor ist Augustinus; er hat
diese Bemerkung im 19. Buch seines "Gottesstaates" niedergelegt.
Aber er beobachtete das Verhalten seiner Mitmenschen ganz nüchtern
und stellte fest: "Viele Menschen wollen den Frieden nicht um jeden
Preis, sondern nur zu ihren Bedingungen." Also herrscht offen oder
latent immer Krieg. So ist es bis heute.
Wenn wir tiefer gehen wollen zum Quell der Ursachen, müssen wir
fragen:
WAS IST ÜBERHAUPT FRIEDEN
im tieferen Sinn?
Geht es nur um das gewaltlose Zusammenleben der Menschen? Die meisten
Menschen freuen sich über sog. Friedenszeiten und wissen doch, dass
im Äußeren kein Dauerzustand zu erwarten ist. Die Geschichte
füllt viele Bände mit ihren Dokumentationen über blutige
Kriege. Wir fühlen vielleicht, wie wir bei einer solchen
Betrachtung nur an der Oberfläche des Geschehens verharren.
Da gibt es seit vielen Jahren für verdienstvolle Taten den
Friedensnobelpreis und es gibt die Bemühungen der
Friedensforschung. Beides ist bedeutsam. Aber führen diese Wege zu
einer wirklichen Lösung der Probleme?
Vertiefen wir uns einmal in den antiken Philosophen Epikur. Er verlegt
den Unruhe- und Kriegszustand ursächlich in das Menscheninnere. Er
spricht von der notwendigen "Windstille der Seele" (Ataraxia),
wenn Frieden erreicht werden soll. Dieser Frieden stellt sich nur ein,
wenn der Mensch von seinen leidenschaftlichen Ich-Motiven ablässt,
auch wenn das eine Herkulesarbeit bedeutet. Zuerst einmal muss sich ein
Mensch einer bestimmten Unruhe im eigenen Wesen bewusst sein. Schon das
ist eine schwierige Arbeit, die jeder kennt, der ernsthaft nach tieferer
Selbsterkenntnis strebt. Denn wie viel bemerken wir von den versteckten
persönlichen Ich-Trieben, also der subtilen Kriegsführung, die
von innen nach außen wirkt?
Epikur ging sehr weit, wenn er empfahl, sich von jeder Form der Politik
fernzuhalten. Es ging ihm wohl nicht darum, den Wert der Politik
für die Gesellschaft herabzusetzen. Er wollte aber deutlich machen,
wie sich das Emotionale und Taktische dort einschleichen kann. Sein
Ratschlag "lebe im Verborgenen" galt einer besonderen
Lebenseinstellung, um innere Ruhe auch für die Umgebung und die
nächsten Mitmenschen zu bewahren. Die "Stillen im Lande"
werden eben von den wenigsten Menschen wahrgenommen. Sie wirken als
Oasen der Stille und helfen, so manchen Sturm zu stillen, auch wenn wir
das im Allgemeinen vielleicht nicht glauben. Ein solches Leben, eine so
praktizierte Einstellung dient dem Frieden unter den Menschen.
Im recht verstandenen Christentum werden diese Wirkungen und Werte sehr
genau artikuliert. Da sagt zum Beispiel Paulus im Brief an die Kolosser:
"Der Friede Christi regiere eure Herzen" und (im Brief an die
Philipper): "Der Friede Gottes, der höher ist als alle
Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus."
Natürlich müssen wir uns innerlich auf eine schwierige Tour
begeben, wenn wir uns diesen höchsten Normen nähern wollen. In
der Bergpredigt wird uns die Frucht einer solchen Bemühung vor
Augen geführt: "Selig sind die Friedfertigen!" Wenn wir
diesem Zustand nachspüren, können uns so manche Schuppen von
den Augen fallen. Denn wenn einer "fertig" sein will oder
vollkommen aus der Sicht des inneren Friedens, dann wird man wohl zu dem
Ergebnis kommen, dass ein Mensch diesen Zustand kaum erreichen kann.
Aber Paulus macht auch hier Mut und will einer verhängnisvollen
Resignation vorbeugen, wenn er sagt: "Nicht, dass ich das bereits
erreicht hätte, aber ich jage ihm (dem Zustand) nach" (Brief an
die Korinther).
Das ist der Kardinalpunkt, um wirksam am endgültigen Frieden
für alle mitzuarbeiten. Die Wissenden sagten dazu: "Vereinte
Kraft wirkt stärker!"
Peace_dove_wikipedia