Die spirituelle Seite bei Johannes Kepler
05.12.2007 von Dr. Martin Zichner
In Regensburg und in Weil der Stadt gibt es zwei bemerkenswerte Museen,
die dem bedeutenden Astronom und Mathematiker Johannes Kepler (1571 -
1630) gewidmet sind. Er entdeckte unter anderem die Gesetze der
Planetenbewegungen und untermauerte damit das heliozentrische Weltbild
des Kopernikus.
Wenn ich das Lebenswerk Keplers, das dort zusammen getragen wurde, auf
mich wirken lasse, dann habe ich Eindruck, dass Kepler als einer der
ersten der modernen Wissenschaft seine exakten Forschungsergebnisse
immer wie eine Art von Gottesdienst erlebte.
Schon länger hat mich die Frage beschäftigt, ob es
tatsächlich eine spirituelle Seite in der Naturwissenschaft gibt.
Bei Kepler wird deutlich, dass er ein geistiges Sinnbild in den
Erscheinungsformen der Materie sieht:
"Die Kugel stellt die Dreieinigkeit dar - der Vater: das Zentrum;
der Sohn: die Oberfläche; der Geist: den Radius. Auch in den
Menschen finden sich solche Prädispositionen von unendlicher Art.
Die Geometrie ist einzig und ewig, ein Widerschein aus dem Geist Gottes.
Dass die Menschen daran teilnehmen, ist die Ursache dafür, dass der
Mensch ein Ebenbild Gottes ist. Kann ich Gott, den ich bei der
Betrachtung des Weltalls geradezu mit Händen greife, auch in mir
selbst finden? Ich fühle mich hingerissen von einem
unsäglichen Entzücken über die göttliche Schau der
himmlischen Harmonien... Die Zahlen, Figuren, die Gestirne, die Natur
überhaupt harmonieren mit gewissen Geheimnissen der christlichen
Religion."
Weniger bekannt ist, dass Kepler zu einem führenden Vertreter der
Rosenkreuzer seiner Zeit, dem Tübinger Juristen Christoph Besold,
Kontakt aufgenommen hatte. Dieser gilt als Mitverfasser der klassischen
Rosenkreuzer-Manifeste. In der Folgezeit entfernten sich aber
bekanntlich die Naturwissenschaften immer weiter von den
Geisteswissenschaften.
Erst in jüngster Zeit findet wieder eine deutliche Annäherung
statt, insbesondere aus den modernen Erkenntnissen der Physik. Durch das
heliozentrische Weltbild ist Gott in der Vorstellung der Menschen in den
unendlich weiten Räumen des Weltalls entrückt, war der Boden
bereitet für Entwicklungen wie den Rationalismus und die
Säkularisierung
Nun entdecken sie ihn im Gleichklang von Physik und Esoterik wieder: Sie
finden ihn im kleinsten Teil der Materie, dem Atom, als eine Schwingung
- und sie beginnen ihn gleichsam als einen tonlosen Ton in sich zu
finden.