Flammendes Mosaik
26.10.2011 von Elena Vasenina
Als ich zum ersten Mal seinen Namen hörte, wusste ich noch nicht,
dass ich mich intensiver mit ihm beschäftigen und ihn näher
kennen lernen würde. Seitdem ist ein Jahr vergangen, und sein Name
hat sich gewissermaßen in meinem Leben verankert und das, obwohl
ich mich zunächst so schnell wie möglich wieder von ihm
verabschieden wollte. Die Auseinandersetzung mit ihm ließ mich auch
die Menschen entdecken, die er liebte und achtete. Das hat mich zu
berühmten Philosophen, Psychologen und Musikern geführt, und
ich konnte einen Blick auf ihre Lehren werfen. An ihm selbst scheinen
sich die Geister zu scheiden. Die einen lieben und verehren ihn, andere
verstehen ihn nicht und finden seine Werke zu chaotisch und
ambitiös, während wieder andere ihn kaum kennen oder nie von
ihm gehört haben.
Mich selbst brachte er zum Nachdenken und ich versuchte, ihn zu
verstehen. Was war sein Verdienst für Gott und Menschheit? war die
Frage, die sich mir stellte. In feurigen Gesprächen suchte ich
lebendigen Stoff, um über ihn etwas schreiben zu können. Es
hat mich ihm nicht einen einzigen Schritt näher gebracht. Dann
plötzlich ergab es sich, dass ich in einer sehr besonderen
Situation eines seiner Stücke hörte und derartig erfüllt
war von dieser Impression, dass ich es sofort aufschreiben musste. So
entstand folgende Assoziation:
"Ich liebe. Allein sein Name scheint fähig, mich mit einem
frischen Wind zu berühren. Ich bewege mich in seiner Musik wie in
einer grandiosen Welt, die lebt und atmet, sich unaufhörlich
wandelt, mich aufnimmt und zum eigenen Wachstum drängt. Ich
könnte lange verweilen in dieser hohen und reinen Energie, ich
könnte in diesem Liebesmeer baden und mitwachsen. Ich fühle
mich wie verliebt! Wie schön, dieses Gefühl zu erleben, ohne
dabei gebunden zu sein. So scheint es mir in dieser Wunderwelt, als ob
feurige Gedanken flögen und sich begegneten. Die Gedanken verbinden
sich mit farbigen Tönen, werden aufs Neue geboren und verdichten
sich zu Poemen, Wahrsagungen und neuen Weisheiten. Es ist, als
wären sie Flammen, die sich in einem unendlichen Tanz bewegen und
sich selbst erfüllen. Es scheint, als könnte ich mir unter
ihrem Einfluss näher kommen. In mir ist kein Zwang und kein
Zögern. Ich schäme mich nicht für dieses Gefühl der
Liebe in meinem Herzen. Es ist da und ich bin ein Teil von ihm. Als ob
meine Seele erfüllt sei von diesen feurigen Flammen, und ich atme
mit, die Flamme, das Feuer, das Licht. Planeten werden geboren und im
nächsten Augenblick verschwinden sie wieder. Die Sterne ändern
ihre Form, die Meteoriten wählen sich neue Wege, der Himmel lacht
und weint. Ich bin zu einer stillen Beobachterin geworden, in der dieses
mächtige Geschehen, diese himmlische Transmutation eine tiefe
Sehnsucht hervorruft. Ich spüre ihr nach. Ich weine. Ich bin in der
Tiefe meines Herzens verletzt, bin verliebt und schmerzhaft
glücklich."
Wer ist er, der diese Kraft hat, durch Musik Gedanken, Menschen und
Planeten aus dem Chaos zu erschaffen, sie im Tanz zur Bewegung zu
bringen und das Wunder der Weltschöpfung zu erfühlen?
Wer ist er? Er heißt Alexander Skrjabin.
Gemälde:
Alexander Nikolajewitsch Skrjabin * 25. Dezember 1871 in Moskau; † 14.
April 1915 war ein russischer Pianist und Komponist.