Plädoyer für eine "geozentrische" Sicht, für
Selbst-Liebe und eine mögliche kommende Welt
01.09.2010 von Martin Greger
Gemälde von Bettina Runge
Um es gleich vorweg zu sagen: Es geht mir nicht darum, die
räumliche Anordnung und die Bewegungen des kopernikanischen
heliozentrischen Weltbildes in Frage zu stellen oder einem
Ego-Narzissmus das Wort zu reden. Worum es mir geht, ist, das
ptolemäische geozentrische Weltbild als eine für bestimmte
Menschen sehr interessante Innenschau zu beschreiben und anzuempfehlen.
Ich möchte ein Plädoyer für diese Schau, ein
Plädoyer für eine Reise zu einem ganz anderen Menschsein
halten.
Warum?
Seit längerer Zeit driften außerordentlich viele Menschen in
eine exzentrische Weltsicht ab. Ihr Wohl, ihr Sein, ihre Sicht sind
nicht mehr in ihrem eigenen Mittelpunkt ansiedelt. Sie sind auch nicht
im Mittelpunkt ihrer Familie, im Mittelpunkt des Seins ihrer Nachbarn zu
finden, sondern in fernen mentalen Objektwelten, in fernen abstrakten
Systemen.
Auch eine mentale esoterische Weltsicht unterscheidet sich hiervon nicht
wesentlich. Denn das Heil kommt auch hier meist von Außen: vom
Guru, vom levitierten Wasser, vom energetisierten Heilmittel und
Ähnlichem.
Fast alle Menschen sind inzwischen fern ab von ihrem eigenen
Seinszentrum. Genauso weit, wie der Kopf vom Zentrum des Körpers
entfernt ist.
Das Zentrum unserer komplexen Körperstruktur liegt nach meiner
Sicht dort, wo sich im sichtbaren Körper das Herz befindet. Dieses
Zentrum kann und wird irgendwann alles erleuchten und allen Irrtum
beseitigen.
Die alten semitischen Beschreibungen des menschlichen Weltinnenraums in
der Bibel erwähnen, dass sich das Zentrum des geistigen Menschen im
Bereich des Herzens befindet. Ruach, der Geist, wohnt im Herzen. Er ruft
uns zu einer Reise zum Mittelpunkt "der Erde", und das bedeutet
hier: zum Mittelpunkt unserer körperlichen Struktur. Bei dieser
Reise geht es um die Betrachtung von Schleiern, die Planetenbahnen
ähneln. Es sind Bahnen um den Mittelpunkt herum. Es geht um die
Entschleierung einer Welt, der menschlichen Innenwelt. Das ist eine ganz
andere Welt, als wir sie normalerweise kennen. Wenn diese Reise zum
Mittelpunkt "der Erde" erfolgreich ist, wird sie mit einer neuen
"Erde" und einem neuen "Himmel" in dem kleinen kugeligen
Kosmos bekrönt. Wir sind dann in die wahre Welt des Menschen
eingetreten. In der uralten semitischen Sehnsucht wird sie Olam Ha-Ba
genannt, die kommende Welt.
Wer die Reise nach Innen, in sein wirkliches menschliches Sein, antritt
und sich selber kennen lernt, findet das Licht und die Wärme
verströmende Liebe des zentralen Herzens.
Selbst-Liebe ist dann keine Ego-Liebe, sondern das Erblicken der
zentralen Sonne. Sie ist automatisch eins mit der vollkommen
gleichartigen zentralen Sonne in den anderen menschlichen Kosmen.
Die sichtbare äußere Sonne unseres jetzigen
Körperbewusstseins liegt weit von unserer Erde entfernt. Ihre
Strahlen nähren unseren jetzigen Körper. Sie lassen die
Pflanzen wachsen, auch das Plankton, und ermöglichen unsere Atmung
in einer Objektwelt, die uns das "Objektive" suchen lässt.
Unbemerkt von dem durch das Äußere gebildeten Bewusstsein
erleuchtet jedoch unsere Zentralsonne das circa 20 Meter große
kugelförmige menschliche "Haus", in dem wir wohnen.
Unser Körper, die "Erde", Terra, hat ein Bewusstsein hervor
gebracht, das von Abtrennung gekennzeichnet ist. Und weil wir so
abgetrennt fühlen, wahrnehmen und denken, glauben wir auch so
schnell, das alles Wesentliche irgendwo anders sei!
Aber das ist nicht so!
Alles Wesentliche ist mitten in uns!
Deshalb erwähnen die unverfälschten semitischen
Reisebeschreibungen in diesen Weltinnenraum auch, dass wir keine
Vermittler in unserer "Beziehung zu Gott" benötigen,
sondern nur Treue gegenüber dem inneren Quell der zentralen Sonne
im Herzen.
Wenn ein Mensch anfängt, mehr als sein auf der Abtrennung
beruhendes Körperbewusstsein zu beachten, kann er die Reise in
seine wirkliche Innenwelt beginnen und der Umhüllungen um seinen
jetzigen Körper gewahr werden, die das Bewusstsein wie
undurchdringliche Schleier umnebeln.
Wenden wir einmal das ptolemäische Weltbild analog auf uns an, um
die Schleier zu bezeichnen und die Entschleierung anzudeuten:
Als 7 Schleier erscheinen die 7 Sphären dem Menschen zumeist.
Die herkömmliche Wirksamkeit des nach Außen gerichteten Lebens
ist in den üblichen astrologischen Systemen beschrieben und soll
hier nicht mein Thema sein.
Bei der Reise in die Weltinnenwelt erscheinen drei "rote
Schichten", zwei "weiße Schichten" und zwei
"schwarze Schichten".
Die drei roten Schichten sind die der "Mondbahn", der
"Venusbahn" und der "Merkurbahn"
Sie bewirken Wandlung, Begehren und Lebenswahrnehmung als grundlegende
Entflammungsprozesse in dem kleinen Kosmos.
Um unsere jetzige "Erde" rotiert gleich einem Satelliten der
"Mond". Er entflammt in uns das sich wandelnde Leben. Unser
körperliches und energetisches Sein ist von fortwährenden
Wandlungen gekennzeichnet.. Der "Mond" lässt uns
"lunisch", launisch sein. Er bewirkt es auch, dass der sich nach
Außen orientierende Mensch Geburt, Bewegung und Tod erfährt.
Würden wir "geozentrisch" leben, ausgerichtet auf die
Zentralsonne im Herzen, dann würden wir die äußeren
Schichten in unserem "Haus" als Schleier und Umhüllungen
erkennen, die den wahren Lichtquell der zentralen Sonne verdunkeln.
Die auf den "Mond" folgende Schicht oder Umhüllung ist die
"Venus-Schicht", ebenso wie die Venus, von der Erde aus gesehen,
der nächste Planet ist. Auch sie repräsentiert ein
fundamentales Seinsprinzip, und zwar das der Verbindung. Alles, was zum
Begehren gehört oder was zu einer Synthese führt, beruht auf
diesem fundamentalen Seins- und Energieprinzip.
Als hierauf folgende weitere Schicht erscheint die des "Merkur".
Sie bestimmt das Körpergesamtbewusstsein, das aus Teilen
zusammengesetzte Bewusstsein, welches durch die Nerven ermöglicht
wird. Es ist der dritte Teil des fundamentalen körperlichen
irdischen Seins.
Diese ersten drei den sterblichen Menschen umhüllenden Schichten
hat man wegen ihrer fundamentalen Funktion in Bezug auf die Verbindung
von "Haus" und "Hausbewohner"
"feurig-energetisierend" genannt.
Bei der Reise nach Innen energetisieren sie durch Wandlung, Begehren und
Lebenswahrnehmung einen Prozess der Verwandlung, der in der Alchemie
"die rote Arbeit" genannt wird.
Die nunmehr folgenden, etwas weiter entfernten Schichten sind die Bahnen
der "Sonne" und des "Mars". Sie werden in der nach
Außen gerichteten Astrologie üblicherweise als feurig
bezeichnet. Nicht aber bei der Reise nach Innen! Bei ihr
ermöglichen sie die alchemische
Bleichung/Weißung/Klärung.
Um die Erde, unseren jetzigen Körper, zu heiligen, müssen die
Schichten in unserem kugeligen Haus klar werden. Dazu muss neben einem
Energie- und Seinsprinzip noch etwas existieren, was eine Durchsicht
(Dia-gnosis) ermöglicht. Im dem 20 Meter großen Haus des
sterblichen Menschen muss neben Energie auch Durchsichtigkeit, Klarheit
vorhanden sein.
Während durch das Begehren auf Grund der Venusschicht Farben
entstehen, geht es in den Schichten von Sonne und Mars darum, ein
durchsichtiges klares Weiß im Haus des Menschen hervor zu bringen,
so dass alle Trennung auf der "Erde" aufgelöst werden kann.
Bewegung und Verströmung von Mars- und Sonnenschicht wirken durch
ihre Klarheit vereinigend. In der Alchemie wird diese Arbeit "die
weiße Arbeit" genannt. Bei ihr lernen wir auf der Reise in die
kommende Welt unsere ewige Hütte immer besser kennen.
Die von unserem Körper aus gesehenen am weitesten entfernten Ebenen
in unserem kugeligen Haus sind die "Jupiter- und Saturnbahnen".
Diese äußersten Schichten stellen bei der Reise nach Innen
"das schwarze Werk" der Alchemie dar, welches
gewährleistet, dass die Zentralsonne wieder das ganze Haus
erleuchten wird. Die in der Alchemie Schwärzung oder Einkohlung
genannte Arbeit löscht in diesen Schichten des menschlichen Hauses
alle Lichter, die durch das auf das Äußere gerichtete Denken
entstanden sind. Die "Sterne" fallen vom Himmel.
Das reale Verlöschen dieser Lichter geschieht in der
"Saturn-Schicht", während die "Jupiter-Schicht" die
selbstreflektorische Beobachtung hierbei ermöglicht. Dadurch
verändert sich auch das Bewusstsein im sterblichen Körper. Ein
neues Bewusstsein tritt an die Stelle des Ego.
Die äußeren Schichten des menschlichen Kosmos, in denen die
Einkohlung stattfindet, beginnen jetzt, ein neues Licht widerzuspiegeln.
An die Stelle der bisherigen, auf das Äußere gerichteten
Gedankenlichter, die vom irdischen Ego geprägt sind, tritt das
Licht der inneren Zentralsonne. Es formt sich in den äußeren
Schichten dadurch das "Zeichen des Menschensohnes".
Fast jeder von uns kennt die psychologischen Wahrheiten, dass wir Eigen-
und Selbstliebe brauchen, um andere Wesen und Menschen lieben und etwas
von der Schönheit unseres jetzigen Seins erschauen zu können.
Wie viel mehr bekommt aber derjenige geschenkt, der die Fülle eines
Menschseins erblicken darf, das zur Auferstehung in der kommenden Welt
führt! Er kann von dieser wunderbaren Welt berichten, und zwar in
dem Maß, in dem die Schleier der jetzigen Welt von ihm weichen.
Licht über Licht wird offenbar, sobald die menschlichen Kugeln die
zentrale Sonne des Innersten durchscheinen lassen bzw. spiegeln.
Botschafter der Innenlichtwelten überbringen uns zu dieser Reise
die Einladung des inneren Lichtes.
Gemälde von Bettina Runge: Feueräther