Es ist in Dir
20.01.2010 von Silke Karwowski
Von eigenen Erfahrungen/Gedanken über Leben und Liebe und Jakob
Böhme
Von der Widersprüchlichkeit zur Liebe
Das Leben ist eine "Schule". Ich lerne loszulassen, ich lerne,
das Los zu lassen, das Schicksal zu lassen, das Schicksal, welches
Unangenehmes oder Widersprüchliches in sich birgt. Ich lerne, dass
es in der Polarität Widersprüchliches gibt, zwei Pole, die
unvereinbar sind. Tag und Nacht widersprechen sich, Mann und Frau
widersprechen sich, ebenso Wachsein und Schlafen, der Tod und das Leben
oder Denken und Fühlen ... Es gibt so lange Widersprüchliches,
solange ich erwarte, dass das Unvereinbare hier in der
Gegensätzlichkeit unserer Welt vereint werden soll, solange die
Widersprüche hier aufgehoben werden sollen.
Gibt es einen anderen Ort, wo kein Widerspruch ist, dann ist dort nur
Liebe. Dann habe ich den Widerspruch los gelassen. Dann stören die
Widersprüche nicht mehr, dann sind sie nicht mehr hinderlich, dann
sind sie nicht mehr da. Dieser Ort ist außerhalb des Ich, aber auch
außerhalb der Polarität von "Liebe und Hass". Es ist
ein Ort, wo ich nicht verletzbar bin ... es ist ein Ort, an dem ich
trotz Widersprüchlichkeit lieben kann; dann liebt nicht das Ich,
sondern das Andere in mir. Das Andere befindet sich außerhalb des
Ich. Es ist das Göttliche in mir.
Glauben, Vertrauen und Hoffnung
Es wird alles einen Sinn haben, auch, wenn uns das Leben sehr oft
unsinnig vorkommt. Ich glaube ganz fest daran, dass Vieles, was uns
jetzt widerfährt, letztendlich zu unserem Wohl im Sinne des
Lebens-Pfades ist, dass wir eventuell nur durch das scheinbar
Widersinnige zu lernen im Stande sind und dadurch zur Selbsterkenntnis
kommen. Ich bin voller Vertrauen, dass doch einiges gut so ist, wie es
ist bzw. dass es gut werden wird, dass es unser "Gut" wird. Wir
sehen das Gute jetzt noch nicht, wir sehen nur das
Widersprüchliche, wir sehen nur das daraus resultierende Leiden,
vielleicht im Wechsel mit etwas Freude. Aber ist das nur Leiden???
Václav Havel sagt: "Hoffnung ist nicht die Überzeugung,
dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas einen Sinn
hat - egal wie es ausgeht." Hoffnung ist, die Gewissheit zu haben,
dass wir uns auf das Gute, auf das Allein-Gute zu bewegen, dass wir das
Allein-Gute in uns finden.
Schwinge dich einen Augenblick in das, wo keine Kreatur wohnt
Manchmal wünsche ich mir, mich einfach in einen Zustand fallen zu
lassen, in dem nichts ist, in dem Nichts ist.
Jakob Böhme, der Schuster und Mystiker aus Görlitz (1575 -
1624) schrieb in "Vom übersinnlichen Leben":
Jünger: "Wie komme ich zu dem übersinnlichen Leben, wo ich
Gott sehe und reden höre?"
Meister: "Wenn du dich einen Augenblick in das schwingen magst, wo
keine Kreatur wohnt, dann hörst du, was Gott redet."
Jünger: "Ist das nah oder fern?"
Meister: "Es ist in dir, und wenn du eine Stunde von all deinem
Wollen und (Nach-)Sinnen schweigen magst, so wirst du unaussprechliche
Worte Gottes hören ... so wird in dir das ewige Hören, Sehen
und Sprechen offenbar, und Gott hört und sieht durch dich. Dein
eigenes Hören, Wollen Sehen hindert dich daran, Gott zu sehen und
zu hören."
Foto: Hermann Achenbach Grab Jakob Böhme