Winner dies second
12.08.2009 von Christa Zuch
Diamond Sotiropoulos gab einem seiner Bilder den Namen "Winner dies
second" (Der Sieger stirbt als Zweiter). Zwei wolfsköpfige
Satiren kämpfen einen Kampf auf Leben und Tod. Der Kampf ist
sinnlos, denn sterben werden beide. Der eine durch die Hand seines
Artgenossen, der andere später. Doch der Kampf muss offenbar
stattfinden.
Auch im persönlichen Streit gibt es oft keinerlei Erbarmen. Wenn
wir die Geschichte der Menschheit rückblickend betrachten,
entdecken wir, dass in der Auseinandersetzung zwischen Völkern das
Gleiche gilt. Sympathie und Antipathie halten sich im normalen Empfinden
in etwa die Waage. Doch es bedarf nur wenig und Antipathie wird
aufgerufen und übermächtig. Dann sprechen wir vom BÖSEN.
Es gibt eine Unmenge an Literatur über das BÖSE und sehr viel
weniger über das GUTE.
Die Geschichtsschreibung orientiert sich meist an den Kriegen. Sie
bringen Tod, Zerstörung und großes Leid mit sich und
prägen sich tief ins Gedächtnis der Völker ein. Nur
wenige Herrschernamen sind bekannt, deren Regierung im Zeichen des
Friedens stand. Ist denn der Mensch nicht friedliebend?
Es kann immer wieder erstaunen, in welchem Ausmaß Despoten
Anhänger finden. Sie sammeln sich in großer Zahl unter ihren
Bannern. Da muss zwangsläufig die Frage aufsteigen: Lieben so viele
Menschen das BÖSE, die übermächtige Antipathie?
Schon im Kind sind die Wurzeln für Antipathie, Aggression und
Gewalt angelegt. Sie gehen zurück bis zu den Anfängen der
Menschheit. Es musste Nahrung herbeigeschafft und das Leben verteidigt
werden, gegenüber Tieren und anderen Menschen. Wie hätte man
das mit "Sympathie-Gefühlen" bewerkstelligen können?
Liegt allein schon in diesem Lebenskampf das BÖSE?
Gehen wir dem Phänomen noch weiter nach. In vielen Religionen
kämpfen die "Himmlischen" miteinander. Das
"Böse" lehnt sich gegen das "Gute", Gott, auf.
Luzifer wird aus dem Himmel verstoßen und begründet seine
Macht auf Erden.
Die Medien in all ihren Formen - warum bringen sie vor allem Killer,
Thriller in stetiger Steigerung? Warum werden Unglücksfälle
aufgebauscht? Ist es so angenehm, "das Böse" indirekt mit
zu erleben, ohne es selbst auszuführen?
Der Mensch ist mit der Fähigkeit ausgestattet, zwischen Gut und
Böse zu unterscheiden und sich für eines hiervon zu
entscheiden. Nach welchen Gesichtspunkten tut er dies? Nach denen der
Ethik, der Moral oder der Zweckmäßigkeit? Gibt es
überhaupt Klarheit in konkreten Situationen oder kommt es nicht
häufig auf den Blickwinkel an?
Das innere Ringen hat weitreichende Auswirkungen. Was bedeutet es
für mich, in einen Streit einzutreten? Meine Seele wird hierdurch
zutiefst beschädigt. Mein Ich wird von Sympathie, Antipathie, von
Angst, Begehren und anderen Regungen bewegt. Das sogenannte Gute und das
sogenannte Böse - sind sie in unserer Welt wirklich voneinander zu
trennen? Die Erfahrung zeigt, dass es nicht der Fall ist. Daraus
entsteht eine deutliche Konsequenz: Es ist der Seele aufgegeben, in ihr
ursprüngliches Vaterhaus, zum Allein-Guten zurückzukehren.
Es gibt eine kleine Indianererzählung, "Die zwei
Wölfe":
Ein alter Indianer saß mit seinem Enkelsohn am Lagerfeuer. Es war
schon dunkel geworden und das Feuer knackte, während die Flammen in
den Himmel züngelten. Nach einer Weile des Schweigens sagte der
Alte: "Weißt du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als
ob da zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen. Einer
der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere
dagegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend." "Welcher der
beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?", fragte der Junge.
"Der Wolf, den ich füttere", antwortete der Alte.
Abb.: Satyr, wikimedia