Dialog mit dem inneren Gefährten
12.03.2008 von Anja Döpel
Unser Innenraum ist unergründlich. Wir verwenden meist zu wenig
Zeit darauf, ihn kennen zu lernen. Wenn man sich um einen "inneren
Weg" bemüht, erfährt man Emotionales und Gedankliches
anders als vorher. Eine der tiefgehenden Erfahrungen ist das Empfinden,
dass sich aus der Tiefe etwas seelisch Neues erhebt. Es ist der
"innere Gefährte", von dem Mystiker und Gnostiker sprechen.
Ich habe einen Dialog mit ihm in Worten formuliert, doch eigentlich
findet er ohne Worte, statt.
Hallo, wo bist du? Antworte mir doch endlich!
Ich spreche doch die ganze Zeit!
Du musst lauter sprechen, ich höre dich nicht, kann dich nicht
verstehen.
Hör auf so zu schreien, dann hörst du mich.
Ich schreie? Aber bin ich denn nicht schon ganz still geworden?
Nur nach außen hin, nach innen brüllst du wie ein
verletztes Tier.
Ich leide so, bin so enttäuscht.
Wie schön, wie heilsam.
Du machst dich über mich lustig?
Aber nein, verstehst du denn nicht den tiefen Sinn einer
Enttäuschung?
Ent-täuschung?
Ja, du hast dich getäuscht, bist aber nun einer Täuschung
enthoben, siehst ein wenig mehr von der Wahrheit.
Ich habe Angst zu verbrennen.
Du fühlst dich nur geblendet von der Helligkeit. Du
erträgst mein Licht noch nicht. Aber du wirst es lernen, hab'
keine Angst. Wir sind Gefährten auf dem Weg. Ich werde dich
leiten.