Erleuchtung - für jedermann
13.02.2008 von Martin Greger
Viele Menschen halten Erleuchtung für etwas sehr Exklusives, einen
erhabenen Zustand, der nur von Wenigen zu erlangen ist. Ich meine, dass
sie irren.
Zwei einfache Bilder mögen das demonstrieren:
Niemand würde nach Anbruch der Dunkelheit versäumen, ein Licht
anzuschalten. Das menschliche Kollektiv erzeugt dafür Strom und
stellt ein Leitungsnetz zur Verfügung. Der Einzelne besitzt eine
Leuchte, Leuchtmittel, Kabel und Stecker.
Eine moderne digitale Spiegelreflexkamera tut etwas Unentbehrliches: Sie
reinigt ihren Spiegel mit einer bestimmten Schallfrequenz vom Staub.
Erleuchtung benötigt diese simplen Prozesse. Wenn wir bis ins
Innere erkannt haben, dass unser jetziges Bewusstsein
"Dunkelheit" ist, kann unser Herz zum Spiegel für
erleuchtende Kräfte werden. Das geschieht, wenn wir uns
täglich in das Göttliche in uns und um uns versenken (Tsung
mi, dhikr, die Herz Sutra, das Herzensgebet ...). Unser Herz wird
gereinigt und aus ihm steigt nach und nach ein ganz anderes, ein
universelleres Bewusstsein auf. Es ist wie das Hellwerden eines Zimmers.
Erleuchtung ist keine Frage von Lehren, Dogmen oder Kasteiungen, sondern
von innerlicher Liebe zum ewigen göttlichen Bewusstsein, dass sich
aus der Tiefe erhebt. Wenn wir nicht mehr in der Dunkelheit herumtappen
können und wollen, wird uns diese Liebe so selbstverständlich
wie Essen und Trinken. Jedermann kann erleuchtet werden, wenn er die
Liebe zum Geistkern in sich pflegt und den Spiegel täglich vom
Staub der unreinen Gedanken und Gefühle befreit. Der Spiegel kann
nicht durch formelle Handlungen gereinigt werden, sondern nur durch
Liebe. Das Licht, das sich in uns entfaltet, will für andere
leuchten, will anderen helfen. Das Kollektiv ist eine große Chance.
Wann beginnen die Menschen, ihre Bewusstseinsnacht im Kollektiv zu
erleuchten?