Michelangelo: aus Erschaffung Adams
Gesundheit oder Angst - Betrachtung in fünf Teilen
09.06.2010 von Gerlinde Schlacher-Mark. Klaus Bielau. Graz
Mensch, was fürchtest Du?
es kann Dir nur geschehen,
was Dir gemäß und was Dir dienlich ist.
Ich weiß den Tag, wo Du Dein Leid wirst segnen,
das Dich gelehrt zu werden, der Du bist.
Jeder von uns will gesund sein; niemand, wirklich niemand, der krank
sein oder Angst haben will, ganz normal - - - und dennoch, Angst klebt
uns im Nacken, sitzt dort als der sprichwörtliche Schalk und auch
unsere Körper kränkeln mal mehr, mal weniger. Angst - eine
Krankheit der Seele, DIE Krankheit der Seele.
Und dann ist da noch etwas anderes,
wir ahnen, empfinden, ja erleben es vielleicht,
das Glück vom Paradies, Länder des Lichtes -
Heimat, die uns zugesagt als Erbe,
wenn wir unsere alten Schlacken abwerfen.
Aquarell von Elli Vincon
Der 1. Teil
berichtet davon, was Angst ist,
woher sie kommt und was sie tut
Die Angst sitzt im Nacken, macht hartnäckig und krank. Wenn die
Medulla, das verlängerte Rückenmark, mal davon frei ist, frei
von diesen knechtenden Kräften des Kleinhirns, dann löst sich
vieles, wenn nicht alles, so dass die Seele wiederum einen angstfreien
Blick erhält.
Auch IN uns leben alle Behinderungen der Menschheit, vielleicht bei
ernsthaft nach Veränderung, nach Erneuerung Suchenden besonders, da
die Lebensmuster der Verdrängung nicht mehr gut funktionieren, -
werden wir doch ständig angehalten, uns philosophisch und
psychologisch selbst zu erkennen.
Nun, die Angst sitzt uns im Nacken, wo die steuernden Zentralen für
viele vitalen Funktionen des Körpers ihren Ausgang nehmen; Atmung,
Herzschlag, Verdauung usw. - der VII. Hirnnerv, dieser berühmte
Nervus vagus, nimmt da seinen Ausgang.
Angst, ein psychologischer Zustand der Unfreiheit, geboren aus der Sorge
(ist diese nicht die chronische Form der Angst?), der Sorge um den
morgigen Tag, um die kommenden Jahre ...
Den Ursprung aller Angst können wir in der Trennung vom
Ursprünglichen, vom Licht suchen. Der Mensch erfährt die
Angst, auch wenn eigentlich kein Grund dafür vorhanden ist, im
Unterschied vom Haustier, das, sind seine biologischen Bedürfnisse
befriedigt, tatsächlich zufrieden ist. Wir also sind die
geknechteten Menschentiere, diese Mischwesen, sehnsüchtige
Ewigkeitsgänger einerseits, grau, vergänglich, gebeugt
andererseits. Und alles darum, weil uns das Wesen der
Vergänglichkeit im praktischen Leben noch zu undeutlich bleibt. -
Nur dann, wenn wir Inneres und Äußeres gut kennen und trennen,
verstehen wir das Vergängliche als zur Natur gehörend und
müssen es nicht mehr fürchten. Das ist es ja: wir suchen stets
Vergängliches festzuhalten - und wie von selbst ist das Phantom der
Angst geboren (es kann nicht anders ein). Halten wir natürliche
Umdrehungen auf, so entsteht Feuer, Hitze: brennende Angst und Sorge -
die Hölle.
Michelangelo: Augen Davids
Der 2. Teil
spricht von den Kreisen der Angst
Unzählige Formen der Angst gibt es. Vielleicht können wir uns
selber wieder finden in einer der folgenden Facetten.
* die Angst des suchenden Menschen, nicht gut genug zu sein für den
Weg zum Licht;
* wir hören Sätze wie: Gott ist ein verzehrendes Feuer - und
unser Ich kann nicht anders: es muss Angst leiden; wir suchen mehr oder
weniger streng, irgendwelchen alten, meist im Blut verankerten
kirchlichen Normen zu entsprechen, folgen Gesetzen - und meinen, auf
diese Weise an die Ufer zu den Ländern des Lichtes zu gelangen ...
Aber welch ein Irrtum! Damit jagen wir ständig Vorstellungen
hinterher. So werden wir nie zu dem kommen, was LEBEN einzig ist: jetzt
und im Jetzt;
* Existenz-Angst. Die Angst des Tieres zu verhungern, in der Kälte
leben zu müssen (keine Kohlen zu haben), die Angst auch um das
Wohlergehen unserer Kinder;
* Angst vor Gewalt und deren psychologischen Spielarten wie
Kränkung, Kritik;
* Angst vor den Zufällen des Schicksals;
* Angst vor Krankheiten, vor Siechtum, Angst vorm Älter werden,
Angst, nicht gesund zu sein;
* Angst, nicht geliebt und verlassen zu werden;
* und auch: Angst vor der Freiheit, die uns noch als dunkles Nichts
erscheint.
Die üblichen Schablonen, wir kennen sie nur zu gut.
All das entspringt der einen Urangst, der Angst vor dem Tod, vor dem
Sterben, der Vergänglichkeit. - Ist nicht auch diese Todesangst der
Ursprung so vieler religiöser Sichtweisen mit ihren
Vertröstungen auf das Jenseits?
Alles eine Folge der Trennung vom innerlichen Licht.
Unser Blut ist magnetisch - wodurch es zugänglich für
vielerlei Einflüsse wird, durch die unser Denken und Empfinden
gelenkt wird, durch die wir also von außen "gedacht"
werden. Die Angst sitzt uns im Blut und hält es offen für das,
wovor wir Angst haben.
Der Weg des ängstlichen Verstandes nach Sicherheit verlangt nach
Gesetzen, Dogmen, Regeln und ... dadurch wird der Tod nötig - wenn
wir nicht aus diesem selbst geschaffenen Gefängnis ausbrechen.
Angst, Enge, es fließt nicht - - - Gesunde Prozesse der Lösung
(körperliche Symptome, Beschwerden) werden durch Ängste
tatsächlich zu Krankheiten; auch durch die Einnahme von
Medikamenten, die natürliche Krankheitsverläufe behindern.
Foto: Hermann Achenbach
3.Teil
Zur rechten Unterscheidung von Angst und Vorsicht
Der Weise ist vorsichtig wie einer, der im Winter einen Fluss
überquert (Tao Te King).
Zum besseren Verständnis, weil manchmal behauptet wird, Angst
gehöre zum Leben und behütet uns vor diesem oder jenem,
folgende Überlegung:
Das, was wir als VORSICHT kennen, hat mit Angst nicht direkt zu tun; es
ist Achtsamkeit, auch Rücksicht, Folge aufmerksamer
Gegenwärtigkeit.
Bespiel: Aus Angst, zu spät zu kommen, laufe ich unvorsichtig
über die Straße.
Vorsicht wird auch das Ich lernen müssen, sollte es der Seele gut
dienen wollen. Wo nicht, taucht wie von selber die Angst auf, jene
Angst, ES, das Wesentliche ein weiteres Mal nicht zu finden. Und diese
Angst muss auftauchen - als korrigierender Fingerzeig!
Angst fressen Seele auf. - Angst knechtet die Seele, die auf dem
geistigen Weg entstehende Lichtseele, und so bleibt sie gefangen wie
Feuer in einem ängstlichen Ofen, der, da er Angst hat zu
zerspringen, nicht atmen will, die Luftzufuhr absperrt und versottet und
verteert, und folglich kein Licht, keine Wärme, keine Behaglichkeit
verströmen kann.
Doch wir, wir sollten doch zerspringen und auch all unsere Schlacken,
damit die Seele endlich, endlich atmen und feurig werden kann.
Die Vorsicht entsteht aus Erfahrung mit den Gesetzmäßigkeiten
der Welt (und die Rücksicht hat Augen sogar nach hinten).
König Artus Symbol des Mutes
Im 4. Teil
geht es um Mut zu einem ungewöhnlichen Experiment
und zur Heilung von der Angst
Der Weg aus den Kreisen der Angst kann nichts anderes sein als der Atem
geistiger Erkenntnis, als der Atem der Gnosis. Das ist unser (auf festem
Vertrauen basierendes, also unspekulatives) Experiment: mutiges
Hinwenden zu dem, was näher ist als alles andere: dem Lichte des
Wesentlichen in uns, in absoluter Gegenwart, im absolutem Jetzt:
gegenwärtig auf die Kompliziertheiten, also die Angst zugehen und
ihre Wurzeln dadurch sichtbar werden lassen. Wird die Seele feurig,
braucht sie keine Angst mehr zu haben vor dem Feuer. Im göttlichen
Werden ist nur Gegenwart, dieses Tor zu den weiteren Dimensionen des
Lichtes, keine Krankheit, kein Tod, keine Angst.
Aus diesem Inneren geboren ist auch alle Kenntnis der Natur, ihrer
Abläufe, die Gesetze des ständigen Ausgleiches und des
Zusammenhanges von allem mit allem. Bald verstehen wir dann unsere
üblichen Beschwerden als reinigend, wodurch Schlacken verbrannt und
ausgeschieden werden, sowohl psychische wie körperliche ... und
dadurch Angst vor körperlichen Symptomen nicht mehr nötig
wird.
Ja, streng genommen bleibt nur mehr eine Krankheit übrig: die
ANGST.
Und eine Gesundheit: Stirb und Werde im Licht.
Foto: Hermann Achenbach
Im 5. Teil werden einige abschließende Gedanken zum Thema
vorgetragen.
Angst vor - ist Lust auf.
Dürfen wir es wiederholen:
Angst vor - ist Lust auf.
Die hohe Lust der Seele kann erst werden,
wenn uns die Dinge im Äußeren,
vor allem jene, die wir - ach wie lange nur? -
ängstlich vermeiden wollten,
bis an die Grenzen der alten Welt führten.
Im schablonenhaften, fremdbestimmten Leben wächst die Angst, wenn
der Mensch sich seiner Schablonen bewusst wird.
Die Schablonen sind die ungeschriebenen oder geschriebenen Gesetze.
Angst ist die Folge des Gesetzes.
Jesus: Ich bin nicht gekommen,
um das Gesetz aufzulösen, sondern es zu erfüllen.
Ist es erfüllt, so ist es aufgelöst.
Im Licht hört jedes Gesetz auf -
das Licht ist die Liebe,
und die Angst ist nicht in der Liebe.
Der gewöhnliche Tod macht Angst.
Der Goldene Tod, das Stirb und Werde,
das tägliche Sterben,
führt zu Glück und Frieden,
zum tiefen Frieden im Licht,
jenseits der Schatten.
Solve et coagula - Stirb und Werde!
Mensch, was fürchtest Du?
Es kann Dir nur geschehn,
was Dir gemäß und was Dir dienlich ist.
Ich weiß den Tag, wo Du Dein Leid wirst segnen,
das Dich gelehrt zu werden, der Du bist.
Das Licht des Lebens, die Kenntnis vom Wesentlichen,
löst alle Angst auf.