Die Kraft der Stille
von Andreas Packhäuser
Verehrte Gäste,
als die Bitte an mich herangetragen wurde, hier in Berlin zusammen mit
einem Vertreter des Sufismus, Herrn Alkonavi, über die Kraft der
Stille zu sprechen,
kam mir ein einschneidendes Erlebnis wieder ins Gedächtnis, das im
Rückblick Ausschlag gebend für meinen spirituellen Lebensweg
war.
Ich bin mir des Risikos bewusst, über etwas zu sprechen, welches
mit Worten eigentlich nur angedeutet, aber nur schwer wirklich
vermittelt werden kann.
Auch besteht immer die Gefahr des Missverstehens.
Viele von Ihnen kennen sicher noch die Aufbruchstimmung, die die Jugend
in der westlichen Welt in den 60er und 70er Jahren erfasste.
Es war ein Suchen nach dem Unbekannten, Fernen. Es war eine Mischung aus
Abenteuer und der Suche nach religiöser Erfüllung, die die
junge Generation vor allem in Indien zu finden hoffte.
Ich war damals auch von dieser Welle erfasst und spielte mit dem
Gedanken, zumindest für einige Monate nach Indien zu gehen, denn
ein Freund von mir lebte schon länger in Auroville. Aber vorerst
war ich in Griechenland und in der Türkei unterwegs und erreichte
im August 1971 Ephesus.
Dieser Name hatte sich durch meine christliche Erziehung tief in mein
Bewusstsein eingeprägt.
Ich weiß nicht mehr, woher ich die Idee hatte oder von wem ich die
Information bekam,
bei gleißender Mittagshitze auf einen unbedeutenden Hügel zu
steigen,
der sich südlich von Ephesus befindet. Einer Legende nach hatte
dort die Mutter Jesu
bis zu ihrem Tod mit einigen anderen Christen gelebt.
Mit dem Marienkult konnte ich nichts anfangen, aber irgendwie zog es
mich auf diesen Hügel, obwohl es auf der Ausgrabungsstätte in
Ephesus wahrlich Interessanteres zu besichtigen gab.
Auf dem Hügel befanden sich tatsächlich freigelegte Fundamente
und eine kleine Kapelle, die auf den alten Fundamenten wieder errichtet
worden war.
Ich war allein.
An einer Mauer entsprang eine kleine Quelle, aus der klares Wasser
floss.
Als ich davon trank, war es mir, als hätte ich noch nie zuvor solch
ein klares und reines und belebendes Wasser getrunken. Vielleicht lag es
auch nur an der Hitze.
Ich setzte mich auf die Mauer und dachte über die Menschen nach,
die hier vor fast 2000 Jahren gelebt haben müssen, denn es waren
weit und breit keine weiteren Spuren menschlicher Siedlungen zu sehen.
Ich versuchte, mich in die Zeit von damals zu versetzen.
In dem Moment erfasste mich eine Stille, die ich in dieser
Intensität noch nie erlebt hatte. Es war nicht nur eine akustische
Stille, sondern diese Stille erfasste den ganzen Körper. Sie war
wie zum Tasten, zum Anfassen. Sie war zu spüren, so wie es ist,
wenn man gegen den Wind läuft und ihn spürt, aber ganz
unbewegt, still.
Ich kann nicht mehr sagen, wie lange das dauerte.Jedenfalls entwickelte
sich in mir - vom Herzen her - eine vorher nicht gekannte innere
Glaubenssicherheit, eine innere absolute Gewissheit, dass mit dem
Christentum, zumindest mit dem Urchristentum, ein Mysterium verbunden
ist, das scheinbar der heutigen Menschheit nicht mehr bekannt war.
Die Menschen, die sich hier vor 2000 Jahren aufhielten, hatten
atmosphärisch etwas hinterlassen, das auf mich wie ein Rufen
wirkte.
In dem Moment wurde in mir der Wunsch geboren, dieses Mysterium zu
suchen.
Oder war es ein Auftrag?
Jedenfalls war mir auch sofort bewusst: Ich muss in Europa suchen. Hier
ist der Kulturkreis, zu dem ich gehöre. In den anderen
Kulturkreisen ist das gleiche Mysterium für die dortigen Menschen
zu finden.
Denn das stand für mich ebenfalls fest: Dieses Mysterium ist
universell.
Es gilt der ganzen Menschheit. Es steht über allen Religionen und
ist älter als alle Religionen. Es ist eine spirituelle Ebene, auf
der alle irdischen Missverständnisse
aufhören zu bestehen.
Dies alles erlebte ich bei vollem Bewusstsein, und ich hatte dabei
keineswegs das Empfinden, etwas Besonderes zu sein. Auch entsprachen die
gewonnenen Erkenntnisse ganz bestimmt nicht meinen Erwartungen.
Ganz im Gegenteil. Das Thema Indien war nun leider erledigt,
und mit dem herkömmlichen Christentum hatte ich eigentlich
abgeschlossen.
Jahre später erfuhr ich, dass dieser Ort seit Jahrhunderten auch
von den Sufis verehrt wurde, und dass seit Generationen jedes Jahr im
August die Frauen der umliegenden Dörfer auf diesem Hügel des
Todestages der Maria gedachten - lange bevor man die Ruinen freilegte.
Aber die Geschichte geht noch weiter.
Ein dreiviertel Jahr später lernte ich meine jetzige Frau kennen,
und im folgenden Sommer verbrachten wir unsere Semesterferien auf Kreta.
Über Kleinasien reisten wir nach Deutschland zurück. Ich
wollte ihr unbedingt Ephesus zeigen
und natürlich auch mit ihr auf den Hügel steigen.
Es befanden sich nur wenige Menschen da, aber es herrschte ein
atmosphärisches Chaos.
Die Zweige der Bäume waren weiß von kleinen Zetteln,
beschrieben mit persönlichen Wünschen. Überall hingen
Marienbilder. Von all dem ging eine unsägliche Unruhe aus.
Die Quelle war versiegt.
Ich stand wirklich unter Schock. Von Stille keine Spur mehr! Das
Erlebnis von vor wenigen Monaten war nicht wiederholbar.
Die spirituelle Atmosphäre hatte sich zurückgezogen, denn nach
ihr hatte anscheinend niemand mehr gesucht. Nur das eigene Wohlergehen
und das persönliche Glück für sich, die Familie und die
nahe stehenden Freunde und Verwandten hatten sich jetzt hier als Ziel
aller Wünsche manifestiert.
Für mich war dieses Erlebnis äußerst schmerzlich, aber
auch sehr heilsam, wurde mir doch bewusst: Dem Mysterium des
Urchristentums kann man sich nicht willkürlich nähern.
Und auch das war überdeutlich: Dieses Mysterium lässt sich
nicht für unsere egoistischen, irdischen Ziele instrumentalisieren.
Aber wie geht es dann, und was ist die Voraussetzung dafür?
So wurde, dank dieses Schocks, mein Bewusstsein geschärft. Meine
innere Gewissheit und der Glauben konnten dadurch jedoch in keiner Weise
erschüttert werden.
Es brauchte noch vier weitere Jahre des intensiven Suchens,
Prüfens, Verwerfens und Weitersuchens, ehe wir vor den Toren dieses
Mysteriums standen. Der innere Kompass im Herzen war letztendlich immer
der Prüfstein, an dem die gefundenen Lehren gemessen wurden. Dies
waren aber Prozesse, die uns erst viel später bewusst wurden.
Diese persönliche Schilderung soll aber nicht den Eindruck
erwecken, das Aufsuchen heiliger Stätten sei die Voraussetzung
für spirituellen Fortschritt. In meinem Fall war das aber
anscheinend nötig.
Inzwischen weiß ich: Es ist nicht notwendig, zu heiligen Orten zu
pilgern,
denn den heiligsten aller Orte besitzt jeder Mensch in seinem Innersten.
Er korrespondiert mit seinem Herzen. Es ist ein geistiges Prinzip, ein
geistiger Kern -
wir Rosenkreuzer nennen ihn "die Rose des Herzens" oder auch
"das Geistfunkenatom" - in dem, wie in einem Samen, die
mehrdimensionalen Anlagen
für die Wiedergeburt des göttlichen Menschen verborgen sind.
Der persische Sufi al-Ghazali beschreibt es so: Die Menschen besitzen in
ihrer Brust ein "feinstoffliches Herz," das in der Welt der
Engel beheimatet ist. Dieses Organ ist in der grobstofflichen Welt im
Asyl und weist den Menschen den Weg ins Paradies zurück.
Durch diesen geistigen Kern ist die wahre Religion, lateinisch
"Re-ligio", die Rückverbindung mit Gott, erst möglich.
"Das Königreich Gottes ist Euch näher als Hände und
Füße, es ist in Euch!" So heißt es in den Evangelien.
Vor diesem inneren Geistkern muss der irdische, sterbliche Mensch still
werden.
In allen heiligen Schriften wird den Kandidaten die Stille, das
Stillsein gelehrt.
In den alten Mysterien klingt es: "Meine Seele ist stille vor Gott -
Von ihm ist mein Heil."
Und weiter wird in den Mysterien gesagt: "Eifert danach, dass ihr
still seid."
Durch das Stillwerden beginnt im Kandidaten ein innerer alchimischer
Prozess,
der durch die stärker werdende Strahlungskraft des Geistfunkens
allmählich alle Äther-Atome in ihm neu polarisiert, so dass
dadurch eine neue Beseelung entsteht.
Diese neue, quasi wiedergeborene Seele ist in der Lage, den Geist zu
empfangen.
Unsere sterbliche Seele dagegen kann diese hohe Vibration, dieses
Geistfeuer weder aufrufen noch ertragen.
Diese Prozesse vollziehen sich in dem Tempo, wie der irdische Mensch
seine Ichbezogenheit überwindet und sich einer anderen Kraft
öffnet, die über die Rose des Herzens in sein System
einströmt. Das geschieht durch Selbstübergabe an den sich
innerlich entwickelnden unsterblichen Menschen.
Das ist ein langsamer Prozess, der mit tiefer Selbsterkenntnis einher
geht und bei dem Stufe für Stufe etwas von der Naturbeseelung
zurückgelassen wird. Er vollzieht sich im Menschen nur in der
Stille und durch die Stille.
Um diesen Prozess im Geistfunken des Menschen wieder zu erwecken,
bedurfte es zu allen Zeiten einer Gemeinschaft von Menschen, die in der
Lage war, ein besonderes magnetisches Vibrationsfeld zu erzeugen und zu
erhalten.
Es muss ein Feld sein, welches nicht aus den Kräften dieser Welt
stammt. Solch ein Feld bildet sich, wenn die innere Sehnsucht nach dem
Göttlichen immer mehr nur noch von der neuen Seele und der
Geistseele ausgeht. Wenn also ich-zentrale Gedanken, Gefühle und
Wünsche aus den zur Gruppe gehörenden Menschen verschwunden
sind. Wenn die Teilnehmer dem Stoffkörper, dem
Ätherkörper, dem Astralkörper und dem Denken nach still
geworden sind.
Diesen Prozess nannten die Gnostiker den "Mystischen Tod."
In diesem Lichtfeld können sich die inneren Prozesse im Kandidaten
entwickeln und er erkennt ganz unpersönlich, was für ihn als
nächster Schritt auf dem Pfad anliegt.
Dieses Entsteigen ist also nur möglich, wenn das Verlangen des
Herzens stark und rein genug ist, wenn das Haupt von eigensüchtigen
Motiven und Ambitionen gesäubert ist, das wachsende
Denkvermögen befreit ist vom niederen Verstand
und der Verstand unter die Leitung der geistigen Vernunft gestellt
wurde.
Durch diese Transmutation innerhalb der Persönlichkeit wird es dem
Kandidaten möglich, Seelenwachstum zu erfahren und zu einer
wahrlich lebenden Seele zu werden. Und erst wenn die neue Seele lebt,
kann der Pfad der Einweihung in die Mysterien wahrhaft beginnen.
Nachdem der Kandidat so den Pfad gefunden und betreten hat, hört er
zuerst den tonlosen Ton, die Stimme seines Meisters.
Der Meister ist der innereigene Gott, der Geist in seiner Ansicht als
Liebe und Weisheit, den die alten Gnostiker Christos nannten.
Dieser Meister muss zum Schüler sprechen. Ohne dass diese Stimme
vernommen wird, kann kein anderer Helfer oder Lehrer auch nur
irgendetwas für ihn tun. Der Christos ist also der sich einsenkende
Geist, der sich durch die Seele mit dem naturgeborenen Menschen
verbindet. Dieser ewig Vollkommene wendet sich also nicht an das Ich,
sondern an die Seele.
Denn die Seele wird faktisch von zwei Welten, von zwei Lebensfeldern
angezogen.
Sie muss als Mittler auftreten.
An der einen Seite befindet sich die Wirklichkeit der niederen,
sterblichen Welt,
die in "Die Stimme der Stille", einem der ältesten
Bücher der Menschheit, zutreffend "die Halle der
Schmerzen" genannt wird. Hier wird alles getan, um den Menschen in
Illusion und Wahn der vergänglichen Dinge dieser Welt zu
verstricken.
An der anderen Seite der Seele befindet sich die Lebensordnung des
Geistes.
Die Seele drückt sich also vorübergehend in zwei Welten aus.
Dieser Zustand kann jedoch nicht von Dauer sein, das würde den
Menschen innerlich zerreißen.
Zu einem gegebenen Zeitpunkt muss die Seele sich entscheiden. Sie muss
eine definitive Entscheidung treffen, welche dieser beiden Welten in
Zukunft ihre Heimat sein soll. Auch die Persönlichkeit hat damit zu
entscheiden über ihren Lebensschwerpunkt, denn sie ist ja das
Ausdruckmittel der Seele während ihrer Inkarnation.
Es gibt nämlich zwei elektromagnetische Felder in diesem irdischen
Kosmos,
die beide ihr Zentrum im Herzen der Erde haben: in zentrales
magnetisches Feld der sterblichen Natur mit dem Diesseits und seiner
feinstofflichen Spiegelung und ein zentrales magnetisches Feld der
heiligen Erde.
Die Seele muss also lernen, zwischen diesen beiden Feldern zu jedem
Zeitpunkt die rechte Wahl zu treffen.
Und nun sagt die Stimme des Christos zur Seele des Kandidaten oder der
Kandidatin, welche am Beginn ihres Pfades stehen: (und wir können
es im Buch "Die Stimme der Stille" nachlesen.)"Lass deine
Seele nicht mitgeschleppt werden
von all den wechselnden Stimmungen des naturgeborenen Wesens.
Stehe über Freude und Trauer. Tritt nicht ein in die Freuden des
Augenblicks,
noch in die Schmerzen des Augenblicks. Lass dich nicht mitreißen
von all den Bewegtheiten der Zeit, denn wie könntest du dann von
der Ewigkeit sein."
Das bedeutet nicht Gleichgültigkeit für das Wohl und Wehe der
Mitmenschen - denn welche Seele, die aus Liebe und Weisheit lebt,
könnte jemals gleichgültig sein?
Die Seele muss aber von jeder Bewegtheit durch die Gegensätze frei
werden, sowohl von den Freuden als auch von der Betrübnis.
Sie muss sich stets mehr auf die erhabene Verbindung mit dem inneren
Christos richten, wissend, dass sie so, als Träger des Lichtes, am
besten helfen kann.
In diesem Seinszustand wächst der Kandidat zu einem wirklichen
Menschheitsdiener heran.
Aus seinem Wesen ist sämtliche Kritik verschwunden. Er nimmt nur
objektiv wahr.
Das betrifft seine persönlichen Unzulänglichkeiten als auch
die seiner Mitmenschen.
Er verurteilt nicht, denn er versteht, warum ein Mensch aus seinem
Seinszustand so handeln muss, wie er handelt.
Er trägt alles, er duldet alles, er neutralisiert alles, er reinigt
alles.
Das Licht seiner Augen strahlt in Liebe über alle und alles,denn
er sieht in den Menschen den göttlichen Keim, auch wenn dieser noch
so sehr durch Unwissenheit eingekapselt und schlafend tot ist.
Auf dieser Ebene sind für ihn alle Menschen Brüder und
Schwestern.
Indem er nicht mehr auf die ihn und alle Menschen beeinflussenden
Impulse auf der mentalen, astralen und ätherischen Ebene reagiert,
ja, nicht mehr reagieren kann, steht er wie ein Fels in der Brandung -
vollkommen still und doch von höchster Dynamik erfüllt.
Es ist also möglich, einen Punkt zu erreichen, da nichts mehr die
innere Ruhe erschüttern kann, wo jener Friede erlangt und erlebt
wird, der über alles Verstehen hinausgeht.
Dann nämlich, wenn das Bewusstsein seinen Mittelpunkt in der
Geistseele hat, die der Friede selbst ist. Dort wird die Harmonie
erkannt und erfüllt, und das Gleichgewicht regiert, weil sich das
Lebenszentrum nunmehr im Geist befindet, der im innersten Kern die
Stille ist.
Dort herrscht ungestörte und unerschütterliche Ruhe, denn der
um Gott Wissende ist der Regent.Er gestattet dem niederen Selbst keine
Störung. Dort wird eine Seligkeit erlangt, die nicht aus den
Gebieten der sterblichen Natur entspringt, sondern aus dem innerlichsten
Gewahrwerden des Seins herrührt.
Dieses Sein besteht weiter, wenn Zeit und Raum und alles, was darin
enthalten ist, nicht mehr existieren. Es wird dann erkennbar, wenn alle
Illusionen der niederen Ebenen erlebt, verwandelt und überwunden
wurden. Es besteht weiter, wenn die kleine Welt der menschlichen
Mühen zerstoben, dahingegangen und als nichtig erkannt ist.
Diese innere Haltung und diese spirituelle Erfahrung wird all denen
zuteil,
die unbeirrt an ihrem hohen Streben festhalten; die alles als
zweitrangig ansehen, außer der Erreichung des einen Zieles.
Der Kandidat oder die Kandidatin hält die Augen unverwandt auf das
Ziel gerichtet,
die Ohren offen, um die Stimme des Gottes in sich zu hören, die
vernehmlich in der Stille des eigenen Herzens spricht; den Fuß fest
auf dem Pfad, der zum Tor der Einweihung führt, die Hände
ausgestreckt, um der Welt zu helfen; das ganze Leben dem Ruf zum Dienen
geweiht.
Alles, was da kommen mag, wird dann zum Besten gedeihen: Krankheit,
Glückszufälle, Erfolg, Enttäuschung, üble Nachrede,
nicht verstanden werden von denen, die man liebt - all das wird zum
Nutzen gereichen, wenn der Kandidat darin den Sinn erkennt, schneller
zur Überwindung zu gelangen und zum Höheren verwandelt zu
werden.
Fortdauer unseres Strebens, Aufrechterhaltung des Kontaktes mit dem
Inneren -
dies ist weitaus wichtiger, als all das andere.
Zum Schluss möchte ich noch einmal auf das eingangs geschilderte
Erlebnis
auf dem Hügel südlich von Ephesus zurückkommen.
Man könnte es oberflächlich vielleicht als mystisches Erlebnis
bezeichnen.
Aber es war viel mehr als das: nämlich die Botschaft der Stimme der
Stille,
diesem Leben einen Sinn zu geben und einen inneren, spirituellen Weg zu
betreten,
der zu einer fundamentalen Veränderung führt.
Es war so etwas wie eine geschenkte Vorausschau in einen Zustand,
der nun durch das Leben selbst, entgegen aller Widerstände
tatsächlich erworben und bewiesen werden muss.
Für einen Rosenkreuzer im Lectorium Rosicrucianum steht dieser
innere Auftrag zentral im Leben:
Die Überwindung der sterblichen, ichzentralen Natur, die
Überwindung des Gebundenseins an die Materie, an das Hin- und
Hergeworfensein im Getöse der polaren Gegensätze dieser Welt,
und der tatsächliche Eintritt in ein ganz anderes Lebensfeld, in
dem die Stille keine Vision mehr ist, sondern ein allumfassender
Lebenszustand der bewusst gewordenen Geistseele.
Ein Leben in dieser Ausrichtung besteht keineswegs in
äußerlicher Weltflucht,
sondern es ist ein Leben, das aus einer anderen Beseelung "mitten
hindurch" geht,
in der Welt, aber nicht mehr von der Welt, im Dienst der Menschen, die
nach diesem anderen Leben verlangen.
Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.
Die Kraft der Stille - Vortrag Stiftung Rosenkreuz - Andreas
Packhäuser - Stand 7.10.2008 Seite 1 von 1
Türkische Karte aus dem 15. Jh. wikimwdia