Das Mädchen ohne Hände (von den Gebrüdern Grimm)
von Helga Günther
Ein Müller war nach und nach in Armut gefallen und hatte nichts
mehr als seine Mühle und einen großen Apfelbaum dahinter.
Einmal war er in den Wald gegangen, Holz zu holen, da trat ein alter
Mann zu ihm, den er noch niemals gesehen hatte und sprach: "Was
quälst du dich mit Holzhacken, ich will dich reich machen, wenn du
mir versprichst, was hinter deiner Mühle steht." - Was kann das
anderes sein als mein Apfelbaum? dachte der Müller, sagte ja und
verschrieb es dem fremden Manne. Der aber lachte höhnisch und
sagte: "Nach drei Jahren will ich kommen und abholen, was mir
gehört," und ging fort. Als der Müller nach Hause kam,
trat ihm seine Frau entgegen und sprach: "Sage mir, Müller,
woher kommt der plötzliche Reichtum in unser Haus? Auf einmal sind
alle Kisten und Kasten voll, kein Mensch hat's hereingebracht, und
ich weiß nicht, wie es zugegangen ist." Er antwortete: "Das
kommt von einem fremden Mann, der mir im Wald begegnet ist und mir
große Schätze verheißen hat; ich habe ihm verschrieben,
was hinter der Mühle steht - den großen Apfelbaum können
wir wohl dafür geben." "Ach Mann," sagte die Frau
erschrocken, "das ist der Teufel gewesen - den Apfelbaum hat er
nicht gemeint, sondern unsere Tochter, die stand hinter der Mühle
und kehrte den Hof." Artikel lesen