Das Apokryphon des Johannes
Dies sind die Lehre und die Worte des Erlösers. Und er, Jesus
Christus, offenbarte diese Geheimnisse, die verborgen sind im Schweigen,
und unterwies Johannes, seinen Jünger, in ihnen.
Es geschah aber an einem dieser Tage, dass heraufkam Johannes, der
Bruder des Jakobus - das sind die Söhne des Zebedäus. Er kam
herauf zum Tempel. Da begegnete ihm ein Pharisäer namens Arimanius
und sprach ihn an: "Wo ist dein Meister, dem du einst gefolgt
bist?" Und er antwortete: "An den Ort, von dem er kam, ist er
wieder zurückgekehrt." Das sprach zu ihm der Pharisäer:
"Durch einen Betrug hat euch dieser Nazarener irregeführt. Er
hat eure Herzen verschlossen und euch von den Überlieferungen eurer
Väter abgebracht."
Als ich, Johannes, das hörte, wandte ich mich vom Tempel weg dem
Berge zu, an einen öden Ort. Ich war sehr traurig in meinem Herzen
und sprach bei mir selbst: "Weshalb denn wurde der Erlöser
eingesetzt? Weshalb wurde er von seinem Vater in die Welt gesandt? Und
wer ist sein Vater, der ihn gesandt ? Und welcher Art ist der Äon,
zu dem wir gehen? Denn er hat uns zwar gesagt: Der Äon, zu dem wir
gehen hat die Gestalt des unvergänglichen Äons angenommen.
Aber er hat uns keine Auskunft über ihn gegeben, er sagte uns
nicht, wie er aussieht."
Als ich so in meinem Herzen dachte, taten sich plötzlich die
Himmel auf. Und die ganze Schöpfung unter dem Himmel wurde hell und
leuchtete, während die Welt bebte.
Da fürchtete ich mich und warf mich nieder. Denn ich sah im Lichte
ein Kind, das zu mir trat. Während ich es anblickte, verwandelte
es sich in einen Greis dann wieder war es wie ein [Knecht]. Es war eine
Einheit mit mehreren Formen im Licht, die da vor mir stand, und die
Formen offenbarten sich durch einander.
Da wunderte ich mich: "Wenn er einer ist, wieso zeigt er sich in
dreierlei Formen?"
Er aber sprach zu mir: "Johannes, Johannes, weshalb zweifelst du?
Oder weshalb fürchtest du dich? Dir ist meine Gestalt doch
vertraut! Sei also nicht kleinmütig! Ich bin es, der allezeit mit
euch ist. Ich bin der Vater, ich bin die Mutter, ich bin der Sohn. Ich
bin es, der Unfassbare und Fleckenlose. Ich bin gekommen, dir zu
verkünden, was ist und was war und was sein wird, das Unsichtbare
und das Sichtbare, und um dir Unterweisung [...] über den
vollkommenen Menschen zu geben. Hebe jetzt dein Antlitz zu mir empor,
komm und höre was ich dir heute sagen will, damit du es denen
weitererzählst, die dir geistesverwandt sind und aus dem Geschlecht
stammen, das nicht wankt, dem Geschlecht des vollkommenen Menschen."
Da bat ich ihn, zu sprechen.
Und er sprach zu mir: "Der Eine ist das Reich, über dem kein
anderes ist. Er ist der wahre Gott und Vater des Alls, der unsichtbare
Geist, der über dem All ist, der unvergänglich im reinen Licht
wohnt, den kein Augenlicht sehen kann.
Er ist der unsichtbare Geist. Man darf ihn sich nicht vorstellen wie
Götter oder dergleichen. Denn er ist größer als die
Götter, niemand ist über ihm. Niemand ist Herr über ihn.
Er ist niemandem Untertan, denn es ist keiner, der nicht in ihm ist.
Er allein ist vollkommen, er ist auf niemanden angewiesen, denn er ist
ganz und die Vollendung.
Er braucht nichts, was ihn vervollkommnen müsste, sondern er ist
stets ganz und vollkommen, im Lichte.
Er ist unbegrenzbar, es gibt ja keinen, der vor ihm ist und ihn
begrenzen könnte.
Er ist unerforschlich, es gibt ja niemanden vor ihm, um ihn zu
erforschen.
Er ist unermesslich, es ist ja keiner vor ihm, der ihn messen
könnte.
Er ist unsichtbar, keiner hat ihn je gesehen.
Er ist ewig, er existiert ewig.
Er ist unbeschreiblich, keiner kann ihn fassen, um ihn zu beschreiben.
Er ist unbenennbar, denn keiner existiert vor ihm, um ihn zu benennen.
Er ist das unermessliche Licht, rein, heilig und klar.
Er ist unbeschreiblich, vollkommen und unvergänglich.
Er ist nicht vollendet oder selig oder göttlich (im üblichen
Sinn), sondern weit vorzüglicher als alles dies.
Er ist nicht körperlich oder körperlos, nicht groß oder
klein.
Er ist nicht so, dass wir sagen könnten: "Wie gewaltig
groß ist er!" oder: "Was für ein Wesen ist er!",
denn es ist überhaupt nicht möglich, ihn zu begreifen.
Er gleicht in nichts der gewöhnlichen Natur, sondern ist weit
vorzüglicher. Nicht dass er vorzüglicher wäre im
Vergleich zu irgendetwas: sein Wesen hat gar keinen Anteil an den
Äonen oder an den Zeiten! Wer nämlich an einem Äon
teilhat, der ist ein geschaffenes Wesen.
Aber ihm ist keine Zeit zugeteilt.
Er nimmt nichts von anderen, denn was man nehmen kann, ist nur geliehen
und es gibt keinen, der vor ihm ist, von dem er etwas erhalten
könnte.
Alle schauen vielmehr zu ihm auf, in sein lauteres Licht.
Denn er ist eine Größe, eine unermessliche Größe,
ein Äon, der Äonen spendet,
ein Leben, das Leben spendet,
ein Seliger, der Seligkeit spendet,
Erkenntnis, die Erkenntnis spendet,
Güte, die Güte spendet,
Erbarmen, das Erbarmen und Rettung spendet,
Gnade, die Gnade spendet - und nicht etwa, weil er dies alles erhalten
hätte, sondern weil er es unermesslich in sich selbst enthält
und es in unendlichem Erbarmen austeilt.
Was soll ich dir sonst noch über ihn sagen?
Sein Äon ist unvergänglich, er schweigt und ist Schweigen, er
ruht und ist vor allen Dingen.
Er ist das Haupt aller Äonen. Er ist es, der ihnen Stärke gibt
durch seine Güte. Denn von uns erkennt keiner, wie der
Unermessliche ist. Nur der erkennt ihn, der aus dem Vater hervorkam. Und
er ist es, der es uns gesagt hat. Denn er allein sieht ihn in seinem
Licht, das ihn umgibt, ihn, der die Quelle ist des Lebenswassers.
Und er versorgt damit alle Äonen und in jeglicher Art.
[(Der Vater) erkennt sein eigenes Bild, wenn er es in der Quelle des
Geistes sieht.
Er lässt seinen Willen wirksam werden in seinem Lichtwasser - er
ist selbst die Quelle des reinen Lichtwassers, das ihn umgibt.] Und sein
Denken (Ennoia) wurde wirksam, trat aus ihm hervor und offenbarte sich
vor ihm im Glänze seines Lichtes - das ist die Macht, die vor ihnen
allen (den anderen Ausströmungen des Vaters) ist.
Sie trat in Erscheinung aus seinem Denken, sie ist
der ,Erste Gedanke' (Pronoia) des Alls. Dieser ist das Leuchten des
Lichtes, das Abbild des Lichtes, die vollkommene Macht, das Abbild des
unsichtbaren, jungfräulichen Geistes, der vollkommen ist.
Er ist die Macht, das Lob, Barbelo, das vollkommene Lob der Äonen,
die Herrlichkeit der Offenbarung, die Herrlichkeit des
jungfräulichen Geistes. Und er verherrlicht ihn (den Vater), denn
durch ihn ist er in Erscheinung getreten.
Er ist der "Erste Gedanke", sein (des Vaters) Abbild. Er wurde
der Mutterschoß des Alls, denn er ist früher als sie alle: Er
ist der Mutter-Vater, der Erste Mensch, der heilige Geist, der dreifach
Männliche, der Mann-weibliche mit dem dreifachen Namen, der ewige
Äon der Unsichtbaren und die erste Ausströmung.
Er (der "Erste Gedanke") - das ist die Barbelo -bat nun den
unsichtbaren, jungfräulichen Geist, ihm eine "Erste
Erkenntnis" zu geben. Der Geist gewährte es.
Als er es aber gewährt hatte, offenbarte sich die "Erste
Erkenntnis", und sie stellte sich hin zu dem "Ersten
Gedanken", denn sie stammt aus dem Gedanken des unsichtbaren
jungfräulichen Geistes und preist ihn und seine vollkommene Kraft,
die Barbelo, aus der sie entstanden ist. Und wiederum bat sie (die
Barbelo), ihr "Unvergänglichkeit" zu geben - und er
gewährte es. Als er es aber gewährt hatte, offenbarte sich die
"Unvergänglichkeit". Sie stellte sich hin zu dem
"Gedanken" und der "Ersten Erkenntnis", und sie priesen
den Unsichtbaren und die Barbelo, durch die sie entstanden waren.
Und die Barbelo bat, ihr "Ewiges Leben" zu geben, und der
unsichtbare Geist gewährte es. Als er es gewährt hatte,
offenbarte sich das "Ewige Leben". Und sie (alle) stellten sich
hin und priesen den unsichtbaren Geist und die Barbelo, durch die sie
entstanden waren.
Und wiederum bat sie, ihr "Wahrheit" zu geben. Und der
unsichtbare Geist gewährte es, die "Wahrheit" offenbarte
sich. Und sie stellten sich hin und priesen den unsichtbaren, herrlichen
Geist und die Barbelo, durch die sie entstanden waren.
Das ist der fünffältige Äon des Vaters, der "Erste
Mensch", welcher ist das Abbild des unsichtbaren Geistes, d.h. der
"Erste Gedanke", die Barbelo; also: der "Gedanke" und
die "Erste Erkenntnis" und "die Unvergänglichkeit"
und das "Ewige Leben" und die "Wahrheit". Das ist der
fünffältige mann-weibliche Äon, der zehnfältige
Äon, der Vater. Und er (der unsichtbare Geist) sah [in die Barbelo,
im reinen Licht,] das den unsichtbaren Geist und seinen Glanz umgibt,
und sie wurde schwanger von ihm. Er zeugte einen Lichtfunken im Lichte,
mit einer Gestalt der Seligkeit. Dieser jedoch ist seiner
Größe nicht ebenbürtig. Er ist ein Eingeborener des
Mutter-Vater, so offenbarte er sich, er ist das Haupt, die einzige
Geburt, der Eingeborene des Vaters, das reine Licht. Der unsichtbare
jungfräuliche Geist aber freute sich über das Licht
(Christus), das entstanden und zuerst in Erscheinung getreten war durch
die erste Kraft seines "Ersten Gedankens", d.h. die Barbelo, und
er salbte ihn mit der Güte, die von ihm ausströmte, bis er
vollkommen wurde und nichts ihm fehlte, was die Güte ihm geben
konnte. Der unsichtbare Geist salbte ihn mit seiner Güte und goss
sie über ihn aus, als er vor ihn hintrat. Und sobald er die
Güte vom Geist erhalten hatte, pries er den heiligen Geist und den
vollkommenen "Ersten Gedanken", durch die er in Erscheinung
getreten war. Nun bat er darum, ihm einen Mitarbeiter, die
"Vernunft", zu geben, und er gewährte es. Als aber der
unsichtbare Geist es gewährt hatte, offenbarte sich die
"Vernunft" und stellte sich mit dem Gesalbten (Christus) hin und
pries (den unsichtbaren Geist) und die Barbelo. Diese alle aber sind aus
dem Schweigen entstanden.
Nun aber wollte die "Vernunft" durch das Wort des unsichtbaren
Geistes ein Werk vollbringen.
Und ihr Wille wurde zu einem Werk und es offenbarte sich mit der
"Vernunft". Und das Licht verherrlichte es.
Das Wort folgte dem Willen, denn durch das Wort hat er das All
geschaffen, Christus, der göttliche Selbsterzeugte.
Das "Ewige Leben" aber und sein Wille und die "Vernunft"
und die "Erste Erkenntnis" stellten sich hin und priesen den
unsichtbaren Geist und die Barbelo, denn durch sie waren sie entstanden.
Und der heilige Geist vollendete den göttlichen Selbsterzeugten,
seinen Sohn, zusammen mit der Barbelo, dass er hintrete zum großen
und unsichtbaren, jungfräulichen Geist, als der göttliche
Selbsterzeugte, Christus, [den er mit mächtiger Stimme geehrt
hatte]. Er trat in Erscheinung durch den "Ersten Gedanken". Und
der unsichtbare jungfräuliche Geist machte den göttlichen
Selbsterzeugten zum Haupt des Alls. Und er gab ihm alle Macht und
unterwarf ihm die Wahrheit, die in ihm ist, damit er das All erkenne,
er, den sie mit einem Namen benannten, der erhabener ist als alle Namen.
Diesen Namen sagen sie nur denen, die seiner würdig sind.
Aus dem Licht - das ist nämlich Christus - und der
Unvergänglichkeit entstanden auf Veranlassung Gottes die vier
Lichter. Und der göttliche Selbsterzeugte achtete darauf, [dass sie
sich zu ihm stellten und zu den drei (Prinzipien);] dem
"Willen", dem "Denken", und dem "Leben". Die
vier Kräfte aber sind: das Verständnis, die Gnade, die
Wahrnehmung und die Besonnenheit. Die Gnade befindet sich beim
Licht-Äon Armozel, das ist der erste Engel. Mit diesem Äon
sind weitere drei Äonen: die Gnade, die Wahrheit und die Form.
Das zweite Licht aber ist Oriel, das über den zweiten Äon
gesetzt ist. Mit ihm sind weitere drei Äonen: die Einsicht, die
Wahrnehmung und die Erinnerung. Das dritte Licht aber ist Daveithei, das
über den dritten Äon gesetzt ist. Mit ihm sind weitere drei
Äonen: das Verständnis, die Liebe und das Bild. Der vierte
Äon aber ist über das vierte Licht: Eleleth, gesetzt. Mit ihm
sind weitere drei Äonen: die Vollkommenheit, der Friede und die
Weisheit (Sophia). Das sind die vier Lichter, die dem göttlichen
Selbsterzeugten zur Seite stehen, und das sind die zwölf
Äonen, die dem Sohn, dem großen Selbsterzeugten, Christus, zur
Seite stehen, durch den Beschluss und die Gabe des unsichtbaren Geistes.
Die zwölf Äonen gehören zum Sohn, dem Selbsterzeugten.
Und das All wurde gegründet nach dem Willen des heiligen Geistes
durch den Selbsterzeugten.
Aus der "Ersten Erkenntnis" aber und der vollkommenen
"Vernunft" entstand durch die Offenbarung des Willens des
unsichtbaren Geistes und den Willen des Selbsterzeugten der vollkommene
Mensch, die erste Offenbarung, die Wahrheit. Der jungfräuliche
Geist nannte ihn Pigera Adamas. Und er setzte ihn in den ersten
Äon, bei dem großen Selbsterzeugten, Christus, beim ersten
Licht, Armozel, dessen Kräfte bei ihm sind. Der Unsichtbare gab ihm
eine unüberwindliche geistige Kraft. Und er (Adamas) sprach, ehrte
und pries den unsichtbaren Geist, indem er sagte: "Durch dich ist
das All entstanden, und das All wird sich wieder zu dir wenden. Ich aber
werde dich preisen und ehren, sowie den Selbsterzeugten mit den
Äonen, also die drei: den Vater, die Mutter und den Sohn, die
vollkommene Kraft."
Und er setzte seinen Sohn Seth in den zweiten Äon, beim zweiten
Licht Oroiel. In den dritten Äon wurde die Nachkommenschaft Seths
gesetzt, also beim dritten Licht Daveithe die Seelen der Heiligen.
In den vierten Äon jedoch wurden die Seelen derer gesetzt, die
unwissend gegenüber der Fülle waren und sich nicht
unverzüglich ihr zuwandten, sondern eine Zeitlang zögerten und
erst danach sich ihr zuwandten. Sie waren beim vierten Licht, Eleleth.
Dies alles aber sind Wesen, die den unsichtbaren Geist ehren.
Die Sophia-"Weisheit" der "Denkkraft" (Epi-noia) aber
ist ein Äon. Deshalb brachte sie denkend einen Gedanken aus sich
hervor, als Widerspiegelung des unsichtbaren Geistes und der "Ersten
Erkenntnis". Sie hatte das Verlangen, ein Ebenbild aus sich heraus
zu offenbaren. Doch geschah dies ohne den Willen des Geistes - denn er
war nicht einverstanden damit - und nicht in Übereinstimmung mit
dem Denken ihres Gefährten. Ihre männliche Seite also stimmte
nicht zu und so stimmten sie nicht überein. Obwohl sie nun ohne
Zustimmung des Geistes und ohne die Gewissheit, dass er einverstanden
war, dachte, brachte sie trotzdem, wegen der unbesiegbaren Kraft, die in
ihr ist, ein Werk hervor, indem ihr Denken wirksam wurde.
Dieses Werk aber, das da in ihr entstand, offenbarte sich als
unvollkommen. Es war verschieden von ihrer Gestalt, denn sie hatte es
ohne ihren Gefährten erschaffen. Es war dem Aussehen seiner Mutter
ganz unähnlich, von anderer Gestalt. Als sie es wahrnahm, (dieses
Ergebnis) ihres Willens, da hatte es eine Drachengestalt und ein
Löwengesicht. Seine Augen aber waren wie leuchtende Feuerblitze. Da
stieß sie es von sich weg, weg aus ihrem Ort, damit keiner der
Unsterblichen es sähe. Sie hatte es nämlich in Unwissenheit
erschaffen. Und sie umgab es mit einer Lichtwolke und stellte einen
Thron in der Mitte der Wolke auf, damit keiner es sähe außer
dem heiligen Geist, den man die "Mutter der Lebenden" nennt. Und
sie gab ihm den Namen "Jaldabaoth".
Das ist der "Erste Herrscher". Nachdem er viel Kraft aus seiner
Mutter gezogen hatte, entfernte er sich von ihr, weit weg von den Orten,
an denen er geboren worden war. Er wurde kräftig und schuf sich
andere Äonen aus Licht, Feuer und Flammen, die jetzt noch
existieren. Er schwang sich auf in seinem Unverstand und brachte
Gewalten für sich ins Dasein. Der Name des ersten ist Athot, den
die Geschlechter (...) nennen. Der zweite ist Harmas, das Auge der
Begierde. Der dritte ist Kalila-Oimbri. Der vierte ist Jabel. Der
fünfte ist Adonaiou, den man auch Sabaoth nennt. Der sechste ist
Kain, den die Menschengeschlechter "die Sonne" nennen. Der
siebente ist Abel. Der achte ist Abrisene. Der neunte ist Jobel. Der
zehnte ist Armoupieel. Der elfte ist Melcheir-Adonein. Der zwölfte
ist Belias; er ist über der Tiefe der Unterwelt. Und er stellte sie
als sieben Könige auf - entsprechend dem Firmament des Himmels -
über die sieben Himmel, und fünf über die Tiefe des
Abgrunds, damit sie dort Könige seien.
Er gab ihnen von seinem Feuer. Von seiner Lichtkraft aber, die er von
seiner Mutter empfangen hatte, sandte er ihnen nichts. Denn er ist eine
unwissende Finsternis.
Wenn das Licht sich mit der Finsternis mischt, lässt es die
Finsternis leuchten. Doch wenn die Finsternis sich mit dem Licht mischt,
wird das Licht finster und ist nicht mehr Licht, aber auch nicht
Finsternis. Es ist krank.
Der kranke Herrscher (Archon) nun hat drei Namen. Der erste Name ist
Jaldabaoth, der zweite ist Saklas, der dritte Samael. Und er ist
schlecht, da er unverständig ist. Er sagte nämlich: "Ich
bin Gott, es gibt keinen anderen Gott außer mir." In seiner
Unwissenheit wusste er nichts von dem Ort, von dem er kam. Und die
Herrscher (Archonten) schufen sich sieben Kräfte, und die
Kräfte schufen sich sechs Engel für einen jeden, bis sie 365
Engel gemacht hatten. Dies sind die Namen der Körper der Herrscher
(Archonten): Der erste ist Athoth, ein Schafsgesicht; der zweite ist
Eloaiou, ein Eselsgesicht; der dritte ist Astaphaios, ein
Hyänengesicht; der vierte ist Jao, ein Schlangengesicht, das sieben
Köpfe hat; der fünfte ist Sabaoth, ein Drachengesicht; der
sechste ist Adonin, ein Affengesicht; der siebente ist Sabbede, ein
Feuergesicht, das leuchtet. Das ist die Siebenheit der Woche.
Jaldabaoth aber hatte eine Vielzahl Gesichter, denn er kann in ihnen
allen wohnen, [und sobald er es wünscht, das Aussehen jedes ihrer
Gesichter annehmen, wenn er sich inmitten seiner Seraphim aufhält.]
Er teilte unter ihnen von seinem Feuer aus. Herr aber wurde er über
sie wegen der Kraft der Herrlichkeit des Lichtes seiner Mutter. Deshalb
nannte er sich selbst Gott. Er gehorchte aber nicht dem Ort, aus dem er
gekommen war, und mischte sich mit den Gewalten, die bei ihm waren, den
sieben Kräften. Durch sein Denken und dadurch, dass er es
aussprach, waren sie entstanden. Und er benannte jede Kraft. Er begann
von oben. Die erste ist die Güte beim ersten, Athoth; die zweite
ist der Verstand beim zweiten, Eloaio; die dritte ist die
Göttlichkeit beim dritten, Astaphaio; die vierte ist die Herrschaft
beim vierten, Jao; die fünfte ist das Reich beim fünften,
Sanbaoth, die sechste ist die Begierde beim sechsten, Adonein; die
siebte ist das Verstehen beim siebten, Sabbateon. Aber über jedem
ist ein Firmament, entsprechend den Himmeln der Licht-Äonen. Diese
geben ihnen Namen entsprechend der Herrlichkeit, wodurch die
Zerstörung der Kräfte veranlasst wird. Die Kraft-Namen, die
ihnen von ihrem Stammvater gegeben wurden, sind positiv wirksam in
ihnen. Die Namen aber, die ihnen nach der Herrlichkeit der zum Himmel
gehörenden gegeben wurden, bedeuten Untergang und Ohnmacht für
sie. Sie haben also jeweils zwei Namen.
Alle Dinge aber hat (Jaldabaoth) nach dem Aussehen der
ursprünglichen Äonen geordnet und nach dem Muster der
Unsterblichen geschaffen. Das gelang ihm, nicht weil er die
Unvergänglichkeit gesehen hätte, sondern durch die Kraft, die
in ihm ist und die er von seiner Mutter erhalten hatte, als sie in ihm
das Bild der (oberen) Ordnung gestaltete.
Nun betrachtete er die Schöpfung, die ihn umgab, und die Menge der
Engel, die um ihn war und die aus ihm entstanden war, und sprach zu
ihnen:
"Ich, ich bin ein eifersüchtiger Gott, es gibt keinen Gott
außer mir." Gerade aber indem er dies verkündete, zeigte
er den Engeln bei ihm, dass ein anderer Gott existiert. Denn wenn kein
anderer existierte, auf wen sollte er eifersüchtig sein?
Die Mutter begann nun, sich unruhig hin und her zu bewegen, da sie
erkannte, dass ein Fehler geschehen war. Sie erkannte das daran, dass
der Glanz ihres Lichtes abnahm. Sie wurde dunkel, da ihr Gefährte
nicht mit ihr übereingestimmt hatte."
Da sagte ich: "Herr, was bedeutet (sie bewegte sich hin und
her)?" Er aber lächelte und sprach: "Denke nicht, dass sie
sich so bewegte, wie Moses gesagt hat, nämlich (über den
Wassern). Nein, sondern als sie das Übel sah, das geschehen war,
und den Verrat, den ihr Sohn begangen hatte, tat sie Buße. In der
Finsternis der Unwissenheit war sie unfähig zur Erkenntnis
geworden, begann sich zu schämen und bewegte sich darüber (in
Reue). Diese Bewegung ist das Hin- und Her-Bewegen.
Der Überhebliche also hatte Kraft von seiner Mutter erhalten und
war unwissend, da er glaubte, es existiere keine Kraft außer seiner
Mutter allein. Wenn er die Menge der von ihm geschaffenen Engel sah,
glaubte er sich hoch über sie erhaben. Als nun die Mutter [am
Schleier der Finsternis erkannte], dass er nicht in Vollkommenheit
entstanden war, sah sie ein, dass ihr Gefährte nicht mit ihr
übereingestimmt hatte. Und sie tat Buße und weinte lange.
Da hörten die Unsichtbaren in der Fülle, wie sie in ihrer
Buße bat, und priesen um ihretwillen den unsichtbaren,
jungfräulichen Geist, und der heilige Geist goss seine ganze
Fülle über sie aus. Denn ihr Gefährte war (als sie schuf)
nicht zu ihr gekommen. Doch jetzt kam er zu ihr herab in seiner
Fülle, damit er ihren Fehler richtig stelle. Aber sie wurde nicht
hinaufgebracht zu ihrem eigenen Äon, sondern nur über ihren
Sohn erhoben, damit sie in der Neunheit bleibe, bis sie ihren Fehler
richtig gestellt hätte.
Und eine Stimme kam von der Höhe der himmlischen Äonen:
"Der Mensch existiert und der Sohn des Menschen."
Der "Erste Herrscher" Jaldabaoth hörte sie und dachte, es
sei die Stimme seiner Mutter. Er erkannte nicht, woher sie kam. Und er
belehrte sie, der heilige Mutter-Vater, der Vollkommene, der vollkommene
"Erste Gedanke", das Abbild des Unsichtbaren, des Vaters des
Alls, in dem das All entstanden ist, der "Erste Mensch": in
einer menschlichen Form offenbarte er seine Gestalt. Und der ganze
Äon des Ersten Herrschers erzitterte, und die Grundfesten der
Unterwelt bebten, und der untere Rand der Wasser, die über der
Materie sind, leuchtete vom Glanz seines Bildes, das er offenbarte. Und
als alle Gewalten und der Erste Herrscher hinblickten, sahen sie den
[ganzen unteren Rand, wie er leuchtete]. Und durch das Licht sahen sie
im Wasser die Gestalt des Bildes. Da sprach (Jaldabaoth) zu den
Mächten, die bei ihm waren: "Kommt, lasst uns einen Menschen
scharfen nach dem Bilde Gottes und nach unserem Bilde, damit sein Bild
für uns zu Licht werde." Und sie schufen durch die Kräfte
ihrer Diener - entsprechend den Hinweisen, die ihnen gegeben worden
waren. Denn jede einzelne Gewalt steuerte ihren Anteil bei,
gemäß dem Hinweis in der Gestalt des Bildes, das sie als
seelisches (Bild) gesehen hatte.
(Jaldabaoth) schuf also ein Wesen nach dem Muster des ersten,
vollkommenen Menschen. Und sie sprachen: "Lasst uns ihn Adam nennen,
damit sein Name für uns zu einer Lichtkraft werde." Und die
Mächte begannen mit ihrer Schöpfung. Die erste, die Güte,
schuf eine Knochenseele. Die zweite, der Verstand, schuf eine
Sehnenseele. Die dritte, die Göttlichkeit, schuf eine Fleischseele.
Die vierte, die Herrschaft, schuf eine Mark-Seele. Die fünfte ist
das Reich, sie schuf eine Blutseele. Die sechste ist der Eifer, sie
schuf eine Hautseele. Die siebte ist die Weisheit, sie schuf eine
Augenlid-Seele.
Hierauf trat hin zu (Jaldabaoth) die Menge der Engel. Sie empfingen von
den Gewalten die sieben seelischen Prinzipien, damit sie schüfen
die Form der Glieder und die Form des Körpers und die richtige
Zusammensetzung aller Glieder.
Der erste begann den Kopf zu schaffen. Etera-phaope Abron schuf seinen
Kopf. Meniggesstroeth schuf das Gehirn. Asterechme das rechte Auge,
Thaspomocha das linke Auge, Jeronymos das rechte Ohr, Bissoum das linke
Ohr, Akioreim die Nase, Banen-Ephroum die Lippen, Amen die
Schneidezähne, Ibikan die Backenzähne, Basiliademe den
Schlund, Achchan das Gaumenzäpfchen, Adaban den Nacken, Chaaman die
Halswirbel, Dearcho die Kehle, Tebar [...] die linke Schulter, Mniarchon
[...] den linken Ellenbogen, Abitrion den rechten Unterarm, Euanthen den
linken Unterarm, Krys die rechte Hand, Belyai die linke Hand, Treneu die
Finger der rechten Hand, Balbel die Finger der linken Hand, Krima die
Nägel der Hände, Astrops die rechte Brust, Barroph die linke
Brust, Baoum die rechte Achselhöhle, Ararim die linke
Achselhöhle, Arech den Bauch, Phthaue den Nabel, Senaphim die
Weichteile über dem Nabel, Arachethopi die rechten Rippen, Zabedo
die linken Rippen, Barias [...] die linken Lenden, Abenlenarchei das
Mark, Chnoumeninorin die Knochen, Gesole den Magen, Agromauma das Herz,
Bano die Lunge, Sostrapal die Leber, Anesimalar die Milz, Thopithro die
Därme, Biblo die Nieren, Roeror die Sehnen, Taphreo die
Wirbelsäule des Körpers, Ipouspoboba die Venen, Bineborin die
Arterien. Atoimenpsephei waren für den Atem zuständig, der
alle Glieder durchströmt, Enthollei für das ganze Fleisch,
Bedonk für die rechte (weibliche) Gebärmutter, Arabeei schuf
den linken (männlichen) Penis, Eilo die Hoden, Sorma die
Geschlechtsteile, Gormakaiochlobar den rechten Schenkel, Nebrioth den
linken Schenkel, Pserem die Nieren über dem rechten Bein, Asaklas
die linke Niere, Ormaoth das rechte Bein, Emenyn das linke Bein, Knyx
das rechte Schienbein, Typeion das linke Schienbein, Achiel das rechte
Knie, Phneme das linke Knie, Phiouthrom den rechten Fuß, Boabel
seine Zehen, Trachoun den linken Fuß, Phikna seine Zehen, Miamai
die Nägel der Füße, Labernioum [...]
Die aber, die man über alle diese gesetzt hat, sind sieben: Athot,
Armas, Kalila, Jabel (usw.) Die aber, die im einzelnen in den Gliedern
wirken, sind: im Haupt Diolimodraza, im Nacken Jammeax, in der rechten
Schulter Jakouib, in der linken Schulter Ouerton, in der rechten Hand
Oudidi, in der linken Arbao, in den Fingern der rechten Hand Lampno, in
den Fingern der linken Hand Leekaphar, in der rechten Brust Barbar, in
der linken Brust Imae, im Brustkasten Pisandiaptes, in der rechten
Achselhöhle Koade, in der linken Achselhöhle Odeor, in der
rechten Seite Asphixix, in der linken Seite Synogchouta, im Bauch
Arouph, in der Gebärmutter Sabalo, im rechten Schenkel Charcharb,
im linken Schenkel Chthaon, in allen Geschlechtsteilen Bathinoth, im
rechten Bein Choux, im linken Bein Charcha, im rechten Schienbein Aroer,
im linken Schienbein Toechtha, im rechten Knie Aol, im linken Knie
Charaner, im rechten Fuß Bastan, in seinen Zehen Archentechtha, im
linken Fuß Marephnounth, in seinen Zehen Abrana.
Über sie alle herrschen sieben: Michael, Ouriel, Asmenedas,
Saphasatoel, Aarmouriam, Richram, Amiorps. Und die über die
Sinneswahrnehmungen herrschen, sind Archendekta; und der über den
Stoffwechsel herrscht, ist Deitharbathas; und der über die
Einbildungskraft herrscht, ist Oummaa;
und der über die Vitalität herrscht, ist Aachiaram;
und der über die Bewegungsvorgänge herrscht, ist Riaramnacho.
Die Quelle aber der Dämonen, die im ganzen Körper sind,
lässt sich als vierfach bestimmen: Hitze, Kälte, Feuchtigkeit,
Trockenheit. Ihrer aller Mutter aber ist die Materie. Derjenige aber,
der Herr ist über die Hitze, ist Phloxopha, derjenige, der Herr ist
über die Kälte, ist Oroorrothos, derjenige, der Herr ist
über das, was trocken ist, ist Erimacho, derjenige, der Herr ist
über die Feuchtigkeit, ist Athyro. Ihrer aller Mutter setzt in ihre
Mitte Onorthochras ein, wobei sie unbegrenzt ist und vermischt mit ihnen
allen: sie ist eben die Materie. Denn von ihr werden sie alle
ernährt.
Die vier führenden Dämonen sind: Ephememphi ist der der Lust,
Joko ist der der Begierde, Nenentophni ist der der Trauer, Blaomen ist
der der Furcht. Ihrer aller Mutter aber ist die Ästhesis
Ouch-Epiptoe.
Aus diesen vier Dämonen aber entstanden Leidenschaften: Aus der
Trauer Neid, Begierde, Kummer, Aufregung, Pein, Sorge, Kummer und der
Rest. Aus der Lust aber entstehen zahlreiche Übel sowie die eitle
Prahlerei und dergleichen. Aus der Begierde aber Zorn, Wut, Bitterkeit,
die quälende Leidenschaft, Gier und dergleichen; aus der Furcht
schließlich Bestürzung, Fanatismus, Angst und Scham.
Diese alle aber sind sowohl nützlich als auch schädlich. Das
ihnen in Wahrheit innewohnende Prinzip ist Anaio - sie ist das Haupt der
stofflichen Seele; denn sie ist verbunden mit der Wahrnehmung,
Ouch-Epiptoe.
Dies also ist die Zahl der Engel - zusammen 365 -, die alle an ihm
arbeiteten, bis er von ihnen vollendet worden war, Glied für Glied,
der seelische und der (fein) stoffliche Leib. Die für den Rest der
Leidenschaften zuständigen Engel habe ich dir nicht namentlich
genannt. Willst du sie kennenlernen, so sind sie im Buche des Zoroastros
geschrieben.
Sie arbeiteten also alle, die Engel und die Dämonen, bis sie den
seelischen Leib ganz nach der Ordnung geschaffen hatten. Aber ihr ganzes
Werk konnte nicht handeln und sich nicht bewegen. In diesem Zustand
verharrte es lange Zeiten.
Nun wollte die Mutter die Kraft wieder an sich nehmen, die sie dem
Ersten Herrscher gegeben hatte, und sie bat den Mutter-Vater des Alls,
den Herrn des großen Erbarmens darum. Nach seinem heiligen
Ratschluss sandte er darauf die fünf Lichter hin zum Ort der Engel
des "Ersten Herrschers". Sie gaben diesem nun einen Gedanken
ein, in der Absicht, ihm die Kraft der Mutter wieder zu entlocken, und
sagten zu Jaldabaoth: "Blase hinein in sein Antlitz von deinem
Geiste, und sein Körper wird sich erheben." Da blies er in sein
Antlitz seinen Geist, nämlich die Kraft seiner Mutter. Aber das
wusste er nicht, da er unwissend ist. Und die Kraft der Mutter aus
Jaldabaoth drang ein in den seelischen Körper, an dem sie nach dem
Muster dessen, der von Anfang an existiert, gearbeitet hatten. Da
bewegte sich dieser (seelische) Leib und erhielt Kraft und leuchtete. In
diesem Augenblick wurden die Gewalten alle eifersüchtig. War er
nicht durch sie alle entstanden? Hatten sie nicht ihre Kraft dem
Menschen gegeben? Und nun war sein Verstand stärker als sie, die
ihn geschaffen hatten, und stärker als der Erste Herrscher! Da sie
nun erkannten, dass er im Licht leuchtete und besser denken konnte als
sie und dass er frei vom Übel war, packten sie ihn und warfen ihn
in die unterste Sphäre der ganzen Materie.
Der Selige aber, der Mutter-Vater, der Wohltäter und Erbarmer,
hatte Mitleid mit der Kraft der Mutter, die aus dem Ersten Herrscher
herausgelockt worden war. [Denn (die Äonen) sollten nicht wieder
Macht gewinnen über den seelischen und sichtbaren Körper]. Und
er sandte durch seinen wohltätigen und barmherzigen Geist einen
Helfer für Adam aus, eine Licht-Denkkraft (Epinoia). Sie ist seine
Tochter, und man nannte sie Zoe-Leben. Sie ist der ganzen Schöpfung
behilflich, wobei sie mit (dem Menschen) leidet und ihn in seine
Fülle führt und ihn aufklärt über seine Herabkunft
als Samen, ihn aufklärt über den Weg des Aufstiegs und den Weg
des Abstiegs. Aber die Denkkraft des Lichtes ist in Adam verborgen,
damit die Herrscher sie nicht erkennen können. Und die Denkkraft
beseitigt den Fehler der Mutter.
So also offenbarte sich der Mensch durch den Schatten des Lichtes, das
in ihm ist. Sein Denken erhob sich höher als das Denken all derer,
die ihn geschaffen hatten. Und als sie zu ihm aufblickten, sahen sie,
dass sein Denken dem ihren überlegen war. Da fassten sie einen
Entschluss mit allen Herrschern und allen Engeln. Sie nahmen Feuer, Erde
und Wasser, mischten sie miteinander und mit den vier Feuerwinden. Sie
walkten sie durch und durch und verursachten heftigen Wirbel dabei. Sie
brachten ihn (den Menschen) in den Schatten des Todes, wo sie ihn
wiederum bildeten aus Erde, Wasser, Feuer und Luft, d.h. aus Materie -
das ist die Unwissenheit der Finsternis, ihre Begierde und ihr Geist der
Auflehnung: dies alles ist die Gebärmutter der neuen Schöpfung
des Körpers, den die Räuber dem Menschen anzogen. Es ist die
Fessel der Erkenntnisunfähigkeit. So wurde dieser ein sterblicher
Mensch: er ist es, der am Anfang herabfiel, und das ist die Spaltung des
Anfangs. Die Denkkraft des Lichtes aber würde in ihm sein und sein
Denken erwecken. Die Herrscher nahmen ihn und setzten ihn ins Paradies
und sprachen zu ihm: "Iß nun in aller Ruhe!" (Und das
geschah in böser Absicht), denn ihre Wonne ist Bitterkeit und ihre
Schönheit Verzerrung. Ihre Wonne ist der Betrug, ihre Bäume
sind die Gottlosigkeit und ihre Frucht ist ein tödliches Gift, ihre
Versprechungen sind der Tod. Den Baum ihres Lebens hatten sie in die
Mitte des Paradieses gesetzt. Ich aber werde euch unterweisen, was das
Geheimnis dieses ihres Lebens ist: es ist der böse Beschluss, den
sie miteinander gefasst hatten, der Ausdruck ihres Geistes. Die Wurzel
(dieses Baumes) ist bitter und seine Zweige sind Bosheit, sein Schatten
ist Hass, in seinen Blättern ist Betrug; seine Blüten sind die
Salbe der Schlechtigkeit, seine Frucht ist der Tod, und sein Same ist
Begierde und sprießt in der Finsternis. Für die, die von ihm
kosten, wird die Unterwelt zum Aufenthaltsort und die Finsternis zum
Ruheplatz.
Der Baum jedoch, der von ihnen der ,Baum der Erkenntnis des Guten und
Bösen' genannt wird, ist die Denkkraft des Lichtes. Sie
stellten sich aber vor (diesen Baum), damit (Adam) nicht emporblicke zu
seiner Fülle und seine schändliche Blöße (an wahrer
Erkenntnis) erkenne. Ich aber habe sie veranlasst, (von ihm) zu
essen."
Da sprach ich zum Erlöser: "Herr, war es nicht die Schlange,
die Adam zu essen lehrte?"
Der Erlöser lächelte und sprach: "Die Schlange lehrte sie
zwar zu essen, aber er sollte dies in verderblicher und schlechter
Begierde zur Zeugung tun, damit er ihm (dem Herrscher) nützlich
sei.(Der Herrscher) erkannte aber, dass er ihm ungehorsam war aufgrund
des Lichtes der Denkkraft, die in ihm ist. Dies ist für sein Denken
heilsam und machte es dem Ersten Herrscher überlegen. Deshalb
wollte dieser die Kraft wieder aus ihm herausnehmen, die ihm von ihm
gegeben worden war. Und so brachte er Erkenntnisunfähigkeit
über Adam."
Da sprach ich zum Erlöser: "Was ist
Erkenntnisunfähigkeit?" Er antwortete: "Nicht das ist
darunter zu verstehen, wie Moses geschrieben hat und wie du gehört
hast, dass er in seinem ersten Buch sagte: ,Er ließ einen
Schlaffallen auf ihn.' Sondern es ist die Betäubung seines
Bewusstseins. Denn er sprach durch den Mund des Propheten: ,Ich will
ihre Herzen beschweren, damit sie nicht verstehen und auch nicht
sehen.' Da aber verbarg sich die Denkkraft des Lichtes in ihm.
Der Erste Herrscher wollte sie nun aus seiner Rippe (seiner Seite)
herausnehmen. Die Denkkraft des Lichtes aber ist unfassbar. Als die
Finsternis sie verfolgte, konnte sie sie nicht fassen. Aber (Jaldabaoth)
nahm stattdessen einen Teil seiner eigenen Kraft aus (Adam) heraus und
schuf nun auch ein weibliches Gebilde nach dem Vorbild der Denkkraft,
die sich ihm gezeigt hatte, und er brachte den Teil, den er von der
Kraft des Menschen erlangt hatte, in das weibliche Gebilde. Nicht aus
der Rippe (Adams), wie Moses sagte, schuf er dieses weibliche Gebilde.
Da sah (der Mensch) die Frau bei sich. In diesem Augenblick trat die
Licht-Denkkraft auf den Plan und deckte den Schleier auf, der auf seinem
Sinn lag. Er wurde nüchtern von der Trunkenheit der Finsternis,
erkannte sein Gegenbild und sprach:
"Das ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch."
Deshalb wird der Mensch Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe
anhangen, und sie werden beide ein Fleisch sein - denn es wird ihm seine
Gefährtin (die Licht-Denkkraft) gesandt werden.[...] Es ist aber
unsere Schwester, Sophia-Weisheit, die herabgekommen ist ohne Bosheit,
damit sie ihren Fehler verbessere. Deshalb nannten sie sie Zoe-Leben,
das ist die "Mutter der Lebenden". Durch den "Verstand",
die Vollmacht des Himmels und durch sie wurde ihnen ein Vorgeschmack der
vollkommenen Erkenntnis zuteil. Ich war es: ich zeigte mich in Gestalt
eines Adlers auf dem Baum der Erkenntnis - das ist die Denkkraft aus dem
reinen Licht-Gedanken -, damit ich sie belehrte und sie aus der Tiefe
des Schlafes erweckte. Denn beide waren sie in der Verderbnis gewesen.
Nun aber erkannten sie ihre Blöße (an Erkenntnis), und die
Denkkraft zeigte sich ihnen, wobei sie leuchtete und ihr Denken
aufrichtete.
Als aber Jaldabaoth merkte, dass sie sich ihm entzogen, verfluchte er
seine Erde. [Er ordnete die Frau dem Manne zu, dass er Herr sein sollte
über sie.] Doch kannte er das Geheimnis nicht, das aus dem heiligen
Ratschluss entstanden war. Sie wagten nicht, sich gegen ihn zu stellen.
Er jedoch stellte sich bloß vor seinen Engeln in seiner
Unwissenheit. Er warf sie nun aus dem Paradies und umhüllte sie mit
dichter Finsternis.
Da sah der erste Herrscher, wie sich die Jungfrau hinstellte zu Adam und
dass die Licht-Denkkraft in ihr erschienen war. (Er wollte sie
beflecken), unwissend wie er war. Als nun der "Erste Gedanke"
des Alls das sah, sandte er (Boten), die das Leben aus Eva wegnahmen.
Daraufhin befleckte sie der Erste Herrscher und zeugte mit ihr zwei
Söhne, den ersten "Eloim" und den zweiten "Jave".
Eloim ist ein Bärengesicht, Jave ein Katzengesicht. Der eine ist
gerecht, der andere ungerecht. Den Jave setzte er über das Feuer
und den Wind, Eloim aber setzte er über das Wasser und die Erde.
Und er gab ihnen die Namen "Kain und Abel", [um alle in seiner
Schlauheit zu täuschen.] Bis zum heutigen Tage blieb die
Einrichtung des Beischlafs, die der Erste Herrscher begründet
hatte, erhalten. Er hatte Zeugungsbegierde [in Adam] gelegt. Und durch
den Zeugungsakt erweckte er die Gebilde der Körper, die aufgebaut
werden aus dem Geist der Auflehnung. Die zwei Herrscher (Kain und Abel)
aber setzte er über die Reiche, damit sie über das Grab
(dieser vergänglichen Welt) herrschten. Adam aber erkannte das
Abbild seiner eigenen Ersten Erkenntnis und zeugte die Gestalt des
Menschensohnes. Er nannte ihn "Seth", denn er kam zur Geburt
entsprechend den (erhabenen) Äonen. Ebenso sandte auch die Mutter
ihren Geist herab als ihr Muster und ein Abbild derer, die in der
Fülle sind - damit sie den Äonen, die auf die Erde kommen
werden, einen Wohnplatz bereite. Diese (Äonen) werden vom Ersten
Herrscher ein Wasser zu trinken bekommen, das sie unfähig macht zur
Erkenntnis, so dass sie nicht erkennen, woher sie stammen. [Und so wird
ihr Same eine Zeitlang für ihn (den Ersten Herrscher) arbeiten
müssen, bis] der Geist, wenn er herabkommt von den heiligen
Äonen, ihn aufrichtet und von dem Mangel heilt. So wird dann die
ganze Fülle heilig und makellos werden."
Nun sprach ich zum Erlöser: "Herr, werden alle Seelen in das
reine Licht gerettet werden?" Er antwortete und sprach zu mir:
"Groß sind diese Dinge, an die du gerade denkst! Und schwierig
ist es, sie zu offenbaren, außer denen, die aus dem Geschlecht
stammen, das nicht wankt. Diejenigen, auf die der Geist des Lebens
herabkommt und mit Kraft liegen wird, werden gerettet. Und sie werden
vollkommen und der Großen würdig sein, und sie werden rein
sein an jenem Ort von jeder Schlechtigkeit und den Übeln, die die
Schlechtigkeit bringt. Sie werden um nichts anderes Sorge tragen als um
das Unvergängliche und [sich nur darauf und seinen Ort richten:]
ohne Zorn und Neid und Missgunst und Begierde und den Hunger nach allem
und jedem. Denn sie werden von nichts anderem ergriffen als von der
Substanz des Fleisches, das sie tragen müssen, während sie auf
die Zeit harren, in der sie aufgenommen werden von denen, die sie
aufnehmen. So geartet also sind diese, die zum unvergänglichen
Leben gehören. Sie sind der Berufung würdig und dulden und
tragen alles, damit sie das Gute vollenden und ein ewiges Leben
ererben."
Ich sprach zu ihm: "Herr, wo werden die Seelen sein, die diese Werke
(des Geistes) nicht getan haben, auf die aber doch die Kraft des Geistes
des Lebens herabgekommen ist?"
"Unter allen Umständen werden sie gerettet werden und sich
umwenden. Denn die Kraft wird auf jeden Menschen herabkommen - ohne sie
kann keiner aufrecht stehen. Und nachdem sie geboren sind - dann
nämlich, wenn der Geist des Lebens mächtig geworden ist und
die Kraft kommt und die Seele stärkt -, wird sie keiner mehr
verführen können durch die Werke des Bösen! Die aber, auf
die der Geist der Auflehnung herabkommt, werden von ihm verführt
und sie gehen in die Irre."
Ich aber sprach: "Herr, wohin werden die Seelen solcher Menschen
gehen, wenn sie ihr Fleisch verlassen?"
Er aber lächelte und sprach zu mir: "Die Seele, in der die
Kraft (des Lebens) mächtiger wird als der Geist der Auflehnung, ist
stark, und sie flieht vor dem Bösen, und durch die Fürsorge
des Unvergänglichen wird sie gerettet und hinaufgenommen zur Ruhe
der Äonen."
Da sprach ich: "Herr, diejenigen, die nicht erkannt haben, zu wem
sie gehören - wo werden ihre Seelen sein?"
Er sprach zu mit: "In ihnen ist der Geist der Auflehnung
mächtig geworden und sie sind in die Irre gegangen. Er beschwert
nun die Seele und zieht sie hinab zu den Werken des Bösen und macht
sie unfähig zur Erkennntnis. Wenn sie ihr Fleisch verlässt,
wird sie den Mächten übergeben, die durch den Herrscher
entstanden sind. Sie wird mit Fesseln gebunden und ins Gefängnis
geworfen. Die Mächte wandern mit ihr umher, bis sie aus ihrer
Unfähigkeit zur Erkenntnis erwacht und Erkenntnis empfängt.
Wenn sie auf diese Weise vollkommen wird, wird sie gerettet."
Ich sprach: "Herr, wie zieht sich die Seele zusammen und geht wieder
ein in eine natürliche Mutter, bzw. in den Mann?" Da freute er
sich, als ich dies fragte und sprach zu mir: "Du bist wahrhaftig
selig, da du verstanden hast! [Denn diese Seele muss immer wieder einer
anderen (Mutter) folgen, während stets der Geist des Lebens in ihr
ist.] Von ihm wird sie gerettet. Und dann wird sie nicht wieder ins
Fleisch geworfen."
Und ich sprach: "Herr, diejenigen, die sich wieder abwandten, obwohl
sie schon erkannt hatten - wohin werden ihre Seelen gehen?"
Da antwortete er: "An den Ort wird man (diese Seele) bringen, an den
die Engel des Mangels gehen, den Ort, an dem keine Buße
möglich ist. Dort wird sie aufbewahrt bis zu dem Tage, an dem man
die peinigt, die den Geist gelästert haben, und sie wird mit
äonenlanger Strafe
belegt."
Ich aber sprach: "Herr, woher kam der Geist der Auflehnung?" Da
antwortete er: "Der Mutter-Vater, dessen Erbarmen groß ist, der
heilige Geist in jeder Gestalt, der erbarmungsreiche, der sich mit euch
abmüht - das ist die Denkkraft des Licht-Gedankens -, er erweckte
den Samen des vollkommenen Geschlechtes und sein Denken und das ewige
Licht des Menschen. Aber als der Erste Herrscher merkte, dass sie
höher waren als er in der Höhe und dass sie fähiger waren
als er, zu denken, wollte er ihre Gedanken beherrschen. Dabei war er
unwissend darüber, dass sie ihn übertrafen im Denken und dass
er sie niemals würde beherrschen können. Er berief eine
Versammlung seiner Mächte ein - das sind seine Kräfte - und
sie brachen miteinander die Ehe mit Sophia-Weisheit und zeugten aus sich
ein verachtungswürdiges Wesen: das Schicksal. Es ist die letzte der
schrecklichen Fesseln, und [sie ist von der Art, dass sie (die Wesen)
einander verändern und quälen müssen;] sie ist
stärker als sie (die Sophia), mit der die Götter und die Engel
und die Dämonen und alle Geschlechter der Menschen bis zum heutigen
Tage vereinigt waren. Aus diesem Schicksal nämlich entstand alle
Schlechtigkeit und Ungerechtigkeit, die Fessel der Unfähigkeit zur
Erkenntnis, die Unwissenheit und jede falsche Ordnung, die schweren
Sünden und die große Furcht - und so wurde die ganze
Schöpfung blind, so dass sie Gott nicht erkennen, der über
ihnen allen ist. Und wegen der Fessel der Unfähigkeit zur
Erkenntnis waren ihnen ihre Sünden nicht einmal bewusst. Es
fesselte nämlich mit Maßen und Zeiten und Zeitpunkten, denn es
ist Herr über das All. Da bereute (Jaldabaoth) alles, was durch ihn
entstanden war, er beschloss, eine Flut über seine
Menschenschöpfung zu bringen. Die Majestät des Licht-Gedankens
aber teilte dies Noah mit. Und er verkündete es dem ganzen Samen -
das sind die Kinder der Menschen. Soweit sie jedoch nicht von seiner Art
waren, hörten sie nicht auf ihn.
Es ist nicht so, wie Moses gesagt hat, dass sie sich in einer Arche
verbargen, sondern sie verbargen sich an einem (geistigen) Ort, und zwar
nicht nur Noah, sondern auch viele andere Menschen aus dem Geschlecht,
das nicht wankt. Sie gingen an einen (geistigen) Ort, sie verbargen sich
in einer Lichtwolke. Und (Noah) erkannte, dass er angenommen war, und
er, der Licht-Gedanke, erbarmte sich seiner, nachdem er sie (die ihm
Gleichen) erleuchtet hatte. Denn Jaldabaoth hatte eine Finsternis
über die ganze Erde gebracht.
Nun berief er einen Rat mit seinen Mächten ein. Er sandte seine
Engel zu den Töchtern der Menschen, damit diese von ihnen schwanger
würden und ihnen eine Nachkommenschaft zu ihrer Lust erweckten.
Aber beim ersten Mal hatten.sie keinen Erfolg. Da versammelten sie sich
wieder miteinander. Sie hielten Rat und schufen einen Geist der
Auflehnung - der den Geist nachahmt, der herabgekommen war -, um die
Seelen durch ihn zu verderben. Denn die Engel verstellten ihr Wesen nach
dem Wesen ihres (der Seele) Gefährten, und sie waren voll vom Geist
der Finsternis, den sie nun hineinmischten in die Seele, und von
Schlechtigkeit.
Sie brachten Gold und Silber, Geschenke, Kupfer, Eisen und Metall in
jeglicher Form. Dadurch zogen sie die Menschen, die ihnen folgten, in
große Schwierigkeiten und betrogen sie. In stetiger Ruhelosigkeit
wurden sie nun alt, und sie starben, bevor sie die Wahrheit gefunden und
den Gott der Wahrheit erkannt hatten. Und so machten (die Engel) die
ganze Schöpfung für immer zum Sklaven, von der Erschaffung der
Welt an bis jetzt. Und sie nahmen sich Frauen und zeugten aus der
Finsternis Söhne nach dem Wesen ihres Geistes. Diese verschlossen
ihre Herzen und wurden hart in der Härte des Geistes der Auflehnung
- bis zum heutigen Tag.
Ich aber, der vollkommene "Erste Gedanke" des Alls, verwandelte
mich nun in meinen Samen. Denn ich war vom Ursprung her und bewegte mich
auf allen Bahnen des Raumes. Ich bin der Reichtum des Lichtes. Ich bin
die Erinnerung an die Fülle. Ich ging hinein in das Reich der
Finsternis und ertrug sie, bis ich in die Mitte des Gefängnisses
gelangte. Und die Fundamente des Chaos bebten, ich aber verbarg mich vor
ihnen wegen ihrer Schlechtigkeit, und sie erkannten mich nicht.
Zum zweiten Male wandte ich mich, trat hervor aus den Räumen des
Lichtes - ich bin die Erinnerung an den "Ersten Gedanken" - und
ging hinein in die Mitte der Finsternis und das Innere der Unterwelt und
übernahm mein Amt. Und die Fundamente des Chaos bebten, damit sie
auf die fielen, die im Chaos sind, und sie zugrunde richteten. Aber ich
ging noch einmal hinauf zu meiner Lichtwurzel, damit sie nicht zugrunde
gerichtet würden vor der Zeit. Zum dritten Mal machte ich mich auf
- ich bin das Licht, das im Lichte ist, ich bin die Erinnerung an den
"Ersten Gedanken" -, damit ich mitten in die Finsternis ginge
und ins Innere der Unterwelt. Ich hatte mein Gesicht erleuchtet mit dem
Lichte der Vollendung des Äons (der Unsterblichen). Und ich ging
hinein mitten in ihr Gefängnis - das Gefängnis des
Körpers - und sprach: "Wer hört, erhebe sich vom tiefen
Schlafe!" Und (der Mensch) weinte und vergoss bittere Tränen.
Bittere Tränen wischte er sich vom Angesicht und sprach: "Wer
ist es, der mich beim Namen nennt? Und woher kommt mir diese Hoffnung,
während ich in den Fesseln des
Gefängnisses liege?"
Und ich sprach: "Ich bin der ,Erste Gedanke' des reinen Lichtes.
Ich bin das Denken des jungfräulichen Geistes, der dich
hinaufstellt an den Ort der Ehre. Mache dich auf und denke! Denn du hast
mich gehört. Folge deiner Wurzel - ich bin es, das Erbarmen - und
hüte dich vor den Engeln des - Mangels und den Dämonen des
Chaos und all denen, die sich an dich klammern! Hüte dich vor dem
Schlaf, der tief ist, und vor dem Innern der Unterwelt, das dich
zermalmt."
Und ich habe ihn erweckt und ihn versiegelt im Lichtwasser mit fünf
Siegeln, damit der Tod keine Macht über ihn gewinne von diesem
Zeitpunkt an. Und siehe, jetzt gehe ich hinauf zum vollkommenen
Äon, denn ich habe meine Rede über all dies in deine Ohren
vollendet. Ich habe dir alles gesagt, damit du es aufschreibst und es
den Geistern, die dir gleichen, im Verborgenen gibst. Denn das ist das
Geheimnis des Geschlechtes, das nicht wankt."
Und der Erlöser gab ihm (dem Johannes) diese Geheimnisse, damit er
sie aufschreibe und sicher bewahre.
Und er sprach zu ihm: "Verflucht sei jeder, der diese Geheimnisse
für ein Geschenk oder Speise und Trank oder Kleider oder
irgendetwas anderes dieser Art preisgibt." All dies wurde ihm als
Geheimnis gegeben. Darauf verschwand (der Erlöser) plötzlich
vor seinen Augen.
Er aber ging zu seinen Mitjüngern und verkündete ihnen die
Worte, die ihm der Erlöser gesagt hatte, Jesus Christus.
Amen.
Gemälde: Bettina Runge